Millionen Deutsche schlucken täglich Magnesiumtabletten und bleiben dennoch mangelversorgt – das behauptet zumindest der Münchner Allgemeinmediziner Dr. Klaus Müller in einem aktuellen Video, das derzeit tausendfach geteilt wird. Der Arzt spricht von einer „stillen Epidemie“, die vor allem Menschen über 60 betreffe und von der Schulmedizin systematisch übersehen werde.
Die Symptome, die Müller beschreibt, lesen sich wie eine Checkliste des alternden Körpers: Erschöpfung trotz ausreichender Schlafdauer, nächtliche Wadenkrämpfe, schwer einstellbarer Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Stimmungsschwankungen und ein anhaltendes Gefühl der Schwere im Kopf. Der Arzt warnt jedoch davor, diese Beschwerden vorschnell als „normale Alterserscheinungen“ abzutun. Die eigentliche Ursache sei in über 80 Prozent der Fälle ein gravierender Magnesiummangel, der bei Routineuntersuchungen fast nie diagnostiziert werde.
Das Kernproblem liege in der Art der Diagnostik, so Müller weiter. Der übliche Bluttest messe lediglich den Magnesiumspiegel im Blutserum, doch dort befänden sich nur etwa ein Prozent des gesamten Körpermagnesiums. Die restlichen 99 Prozent seien in Zellen, Knochen und Muskeln gespeichert.
Ein normaler Serumwert bedeute daher nicht, dass der Körper ausreichend versorgt sei, sondern lediglich, dass der Organismus noch erfolgreich Magnesium aus den körpereigenen Depots mobilisiere, um den Blutspiegel stabil zu halten. Der aussagekräftigere Test sei die Bestimmung des Magnesiumgehalts in den roten Blutkörperchen, den sogenannten Erythrozyten.
Besonders brisant ist Müllers Kritik an den gängigen Präparaten. Das meistverkaufte Magnesiumoxid in deutschen Apotheken und Drogerien habe eine Bioverfügbarkeit von gerade einmal vier Prozent. Das bedeutet: Von einer Tablette mit 300 Milligramm Magnesium gelangen nur zwölf Milligramm tatsächlich in den Blutkreislauf.
Der Rest werde ungenutzt ausgeschieden und wirke im Darm lediglich als mildes Abführmittel. Weicher Stuhl nach der Einnahme sei kein Zeichen für eine Wirkung, sondern ein Beleg dafür, dass das Präparat nicht aufgenommen werde, erklärt der Mediziner.
Als deutlich effektivere Alternativen nennt Müller Magnesiumcitrat mit einer Bioverfügbarkeit von 30 bis 45 Prozent sowie Magnesiumglycinat, das eine Aufnahmerate von bis zu 80 Prozent erreiche. Letzteres sei besonders für Menschen mit Schlafproblemen geeignet, da die gebundene Aminosäure Glycin eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem habe. Für Patienten mit chronischer Erschöpfung empfiehlt der Arzt Magnesiummalat, das über die Apfelsäure direkt in den Energiestoffwechsel eingreife.
Der Zeitpunkt der Einnahme spiele ebenfalls eine entscheidende Rolle. Die morgendliche Einnahme zusammen mit dem ersten Kaffee sei die denkbar schlechteste Variante, da Koffein die Magnesiumausscheidung über die Nieren messbar erhöhe. Die beste Zeit sei der Abend, ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen.
Zudem rät Müller zur Aufteilung der Tagesdosis von 300 bis 400 Milligramm auf zwei Portionen zu je 150 Milligramm, da der Darm kleinere Mengen deutlich besser aufnehme.
Hinzu komme, dass zahlreiche alltägliche Gewohnheiten den Magnesiumhaushalt zusätzlich belasten. Kaffee, Alkohol und Zucker erhöhen die Ausscheidung beziehungsweise den Verbrauch des Mineralstoffs erheblich. Allein der durchschnittliche deutsche Zuckerkonsum von über 80 Gramm pro Tag erfordere enorme Magnesiummengen für den Stoffwechsel.
Auch Stress spiele eine perfide Doppelrolle: Das Stresshormon Kortisol erhöhe die Magnesiumausscheidung, während ein Magnesiummangel wiederum die Stressreaktion des Körpers verstärke – ein Teufelskreis.
Besonders betroffen sind Menschen über 60, bei denen gleich mehrere Faktoren zusammenkommen. Der Darm wird mit zunehmendem Alter weniger effizient bei der Nährstoffaufnahme, die Nieren scheiden mehr Magnesium aus, und viele Patienten nehmen Medikamente ein, die den Magnesiumspiegel aktiv senken. Entwässerungstabletten gegen Bluthochdruck spülen das Mineral direkt über die Nieren aus, während Säureblocker wie Omeprazol oder Pantoprazol die Aufnahme im Darm erheblich reduzieren.
Müller spricht von einem „medikamenteninduzierten Mangel“, der von den verschreibenden Ärzten in der Regel nicht thematisiert werde.
Auch die Wechselwirkung mit Vitamin D sei vielen Patienten nicht bewusst. Ohne ausreichend Magnesium könne der Körper Vitamin D nicht in seine aktive Form umwandeln. Wer also im Winter Vitamin D einnehme, aber unter Magnesiummangel leide, erziele nur eine unvollständige Wirkung.
Beide Substanzen sollten daher idealerweise kombiniert werden, so der Mediziner.
Als natürliche Magnesiumquellen empfiehlt Müller Kürbiskerne, die mit fast 600 Milligramm pro 100 Gramm die reichhaltigste Quelle darstellen. Auch dunkle Schokolade mit mindestens 70 Prozent Kakaoanteil, grünes Blattgemüse, Mandeln und Hülsenfrüchte könnten zur Versorgung beitragen. Allerdings weist der Arzt darauf hin, dass die Magnesiumgehalte in Lebensmitteln gegenüber den 1950er Jahren um bis zu 40 Prozent gesunken seien, bedingt durch intensive Landwirtschaft und ausgelaugte Böden.
Müller nennt sieben Warnsignale, die auf einen Magnesiummangel hindeuten: nächtliche Muskelkrämpfe, Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag, Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Angstzustände und innere Unruhe, chronische Müdigkeit, Kopfschmerzen sowie schwer einstellbarer Bluthochdruck. Wer mehrere dieser Symptome bei sich feststelle, sollte beim Hausarzt ausdrücklich einen Erythrozytentest verlangen.
Der Arzt betont jedoch, dass bei ernsthaften Herzrhythmusstörungen zunächst eine kardiologische Abklärung erfolgen müsse, bevor man eigenmächtig mit einer Supplementierung beginne. Auch Patienten mit Nierenerkrankungen sollten Magnesium nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Für alle anderen gelte: Die Umstellung auf ein hochwertiges Präparat wie Magnesiumcitrat oder Magnesiumglycinat könne bereits innerhalb weniger Tage spürbare Verbesserungen bringen.
Viele Patienten berichteten schon nach drei bis fünf Tagen von besserem Schlaf und weniger nächtlichen Krämpfen. Nach einem Monat zeigten sich häufig stabilere Blutdruckwerte, und nach drei Monaten lasse sich der Erfolg durch einen erneuten Erythrozytentest objektiv belegen.



