„Oh nein, nicht schon wieder”, murmele ich, als die Kamera kippt und das Bild weg ist. Klassiker. Ich stehe mitten in New York, die Septembersonne brennt auf die Hochhäuser, und ich versuche, live…

„Oh nein, nicht schon wieder", murmele ich, als die Kamera kippt und das Bild weg ist. Klassiker. Ich stehe mitten in New York, die Septembersonne brennt auf die Hochhäuser, und ich versuche, live...

Ich schnaufe und wische mir über die Stirn. Die Allergien spielen mal wieder verrückt, tausend verschiedene Sachen auf einmal. Corona? Nein, einfach nur die übliche Dosis Chaos.

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Ich greife nach dem Handy, checke die Kamera. Da draußen liegt New York, glitzernd in der Septembersonne, aber ich bin gerade nur am Überleben. Mir tut der Bauch weh, und ich habe schon wieder diese Hitze, die mich von innen auffrisst. Kim ist im Bad, Erik schlendert irgendwo durch die Gegend, und ich versuche, dieses dämliche Grinsen festzuhalten, während ich in den Times Scre blinzle.

„Oh nein, nicht schon wieder”, murmle ich vor mich hin, als ich sehe, wie die Kamera kippt. „Ist weg. Klassiker. ”

Ein paar Sekunden lang zappelt das Bild, dann richtet es sich wieder auf.

Ich seufze. Wir sind schon seit Stunden unterwegs, und ich habe das Gefühl, meine Eingeweide tanzen Lambada. Aber wir haben einen Plan: ein paar Donuts von der berühmten Fabrik, dann Richtung Central Park. Vielleicht wird dort das Internet besser.

Die Wolkenkratzer hier machen es einem echt schwer, live zu streamen. Ich erkläre dem Chat, dass ich mir das schon gedacht habe. Deswegen haben wir uns auch nur ein paar Tage New York gegönnt, der längere Teil der Reise war in LA. Hier ist es einfach anders.

Hektischer, enger, irgendwie roher. Und verdammt heiß, obwohl der Herbst schon anklopft. „Guck mal, die sehen richtig geil aus”, sage ich zu Kim, als wir an einem Donut-Laden vorbeikommen. Die Glasur glänzt, als hätte jemand flüssiges Gold darübergekippt.

„Ich hätte am liebsten einen Nacken mit Zuckerguss. Am liebsten heißt er Mario. ”

Kim lacht. Ich lache auch, obwohl mein Magen protestiert.

Wir schieben uns durch die Touristenmassen, zwischen Selfie-Sticks und heißen Waffeln hindurch. Ein Typ in einem Superhelden-T-Shirt starrt auf sein Handy, fast hätte er mich umgerannt. Ich weiche aus, murmle „Sorry” und steuere direkt auf den Donut-Laden zu. Drinnen riecht es nach heißem Öl und süßem Teig.

Die Vitrine ist ein einziges Schlachtfeld der Glasuren: pink, schoko, mit Streuseln übersät. Ich bestelle drei Stück, eins davon ganz schlicht, nur mit dieser dünnen, knusprigen Zuckerglasur. Der Typ hinter der Theke nickt wortlos, greift sich eine Zange und verpackt die Dinger in einer Papiertüte. 5,50 für drei.

Gar nicht mal so teuer, für New Yorker Verhältnisse. „Willst du kurz probieren, bevor ich aufs Klo muss? “, frage ich Kim. Sie winkt ab.

„Nee, du kannst ruhig. ”

Ich beiße in den Donut. Er ist noch warm, die Glasur knackt leicht, darunter liegt fluffiger Teig. Für einen Moment vergesse ich den Bauchschmerz, die Hitze, das ganze Gewusel da draußen.

„Okay, das war die richtige Entscheidung. ”

Dann muss ich doch los. Ich drücke Kim die Tüte indie Hand, sage ihr, sie soll kurz auf den Chat aufpassen, und verschwinde in Richtung Toilette. Die ist natürlich viel zu klein, viel zu eng, und während ich da hocke, denke ich daran, wie absurd das alles eigentlich ist.

Ich stehe in New York vor einem Donut-Laden, habe Bauchschmerzen, weil ich irgendwas nicht vertrage, und versuche gleichzeitig, live zu streamen, als wäre das die normalste Sache der Welt. Ist es irgendwie auch, inzwischen. Ich habe mich dran gewöhnt. , dass mein Leben aus solchen Momenten besteht: aus Wartezimmern, Donut-Läden, Bahnhofstoiletten und tausend kleinen Katastrophen, die ich weglächele, solange die Kamera läuft.

. . Ich komme zurück, Kim steht immer noch da, den Donut indie Hand gedrückt, und grinst mich an. „Alles gut?

“, fragt sie. „Ja, Überlebensmodus”, sage ich und nehme die Tüte wieder an mich. „Wir sollten langsam Richtung Park. ”

Wir laufen durch die Straßen, an den riesigen Werbetafeln vorbei, an den Hochhäusern, die bis in den Himmel ragen.

Ich schaue hoch und denke, wie klein man sich hier fühlt. Aber irgendwie auch wie mitten drin, wie am Puls der Welt. Der Chat fragt mich, ob ich New York cool finde. „Ja, schon”, sage ich.

„Ich weiß nur noch nicht, ob ich es besser finde als LA. Wir haben noch nicht so viel von der Stadt gesehen. ” Aber die Donuts waren gut, und der Times Scre war beeindruckend. Und dann ist da noch diese Sache mit dem Internet: Es springt hier ständig zwischen gut und total bescheiden hin und her.

Ich erkläre, dass ich mir das schon gedacht habe, deswegen auch der Plan mit dem Central Park. „Dort sollte es besser sein”, sage ich. „Weniger Wolkenkratzer, weniger Störungen. ”

Wir erreichen den Park, und tatsächlich: Die Luft wird leichter, die Geräusche der Stadt klingen gedämpfter, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Die Bäume sind noch grün, ein paar Jogger laufen an uns vorbei, und irgendwo spielt jemand auf einer Gitarre. Ich stelle mich hin, drehe mich einmal um die eigene Achse und nehme die Szenerie auf. „Okay, das ist besser”, sage ich in die Kamera. „Hier können wir kurz bleiben.

Ich lasse den Blick schweifen. Ein paar Leute haben uns offenbar erkannt, eine Frau winkt kurz, ich winke zurück. Der Chat raunt. Ich spüre, wie die Anspannung langsam weicht.

Die Bauchschmerzen sind nicht ganz weg, aber sie sind leiser geworden, so als hätten sie beschlossen, mich für den Moment in Ruhe zu lassen. Kim setzt sich auf eine Bank, isst ihren Donut, und ich stehe daneben, die Kamera in der Hand, und erzähle dem Chat von der Reise. Von LA, von den Nächten, die lang wurden, und von diesem komischen Gefühl, das einen beschleicht, wenn man so weit von zu Hause weg ist. „Es ist schön hier”, sage ich.

„Wirklich. Aber es ist auch anstrengend. ”

Jemand fragt im Chat, obwir noch lange bleiben. „Noch ein paar Tage”, sage ich.

„Dann geht’s zurück. ” Ich weiß noch nicht genau, was mich zu Hause erwartet, aber im Moment reicht das. Im Moment sitze ich hier im Central Park, die Sonne scheint, ein Donut liegt halb gegessen in der Tüte, und meine Freunde sind bei mir. Mehr brauche ich gerade nicht.

Ich nehme noch einen Bissen, lächle in die Kamera und sage: „Okay, Leute, wir ziehen weiter. “