Die deutsche Fußball-Transferszene kommt nicht zur Ruhe. Während Borussia Dortmund offenbar die Fühler nach einem Rechtsverteidiger ausstreckt, sorgt ein möglicher Rekordtransfer beim FC Köln weiterhin für Schlagzeilen. Auch der VfB Stuttgart mischt kräftig mit und treibt mehrere Personalien voran.
Die Lage ist dynamisch, die Gerüchteküche brodelt – und die Vereine pokern mit harten Bandagen.
Im Mittelpunkt des Interesses steht die Personalie Said Mala vom 1. FC Köln. Die Gespräche zwischen dem Spieler, seiner Entourage und potenziellen Klubs wie dem BVB laufen auf Hochtouren.
Die jüngsten Aussagen von Geschäftsführer Thomas Kessler sind allerdings alles andere als ein klares Bekenntnis zu einem Verkauf. Sie lesen sich vielmehr wie eine geschickte Poker-Einlage, um den Preis für den 19-Jährigen in die Höhe zu treiben.
Kessler betonte öffentlich, dass er keinerlei Druck verspüre, seinen Topspieler abzugeben. Das Argument: Mala besitze noch einen Vertrag über vier Jahre Laufzeit, ohne Ausstiegsklausel. Man habe zudem bereits mehrere Angebote auf dem Tisch liegen gehabt, doch keines habe den Klub ins Grübeln gebracht.
Der Spieler selbst zeige sich im Training fabelhaft und fühle sich wohl, so der Geschäftsführer. Diese Aussagen sind klassisches Transfer-Poker, um die Ablösesumme maximal in die Höhe zu treiben.
Die entscheidende Frage bleibt jedoch, ob der BVB bereit ist, tief in die Tasche zu greifen. Der Spieler selbst soll nur ein einziges Wechselziel im Sommer haben: Borussia Dortmund. Ein Transfer ins Ausland kommt für den Offensivspieler offenbar nicht in Frage.
Sollten die Bayern nicht überraschend in den Poker einsteigen, scheint der BVB der einzige ernsthafte Interessent aus der Bundesliga zu sein, der die finanziellen Mittel für einen Deal aufbringen kann.
Neben dem Köln-Star beschäftigt den BVB auch die Suche nach einem neuen Rechtsverteidiger. Wie Sky berichtet, hat Ole Burg intern den Namen Elias Baum von Eintracht Frankfurt ins Spiel gebracht. Der 20-Jährige gilt als Kandidat für die Nachfolge von Jan Kuto, der den Klub nach einer enttäuschenden Saison wohl verlassen darf.
Baum kennt Burg noch aus gemeinsamen Zeiten bei der SV Elversberg, wo er einst von der Eintracht ausgeliehen war.
Baum konnte in der 2. Bundesliga damals extrem überzeugen, ehe er in der vergangenen Saison bei der SGE mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Nun ist er wieder fit und sein Vertrag in Frankfurt läuft noch bis 2028.
Aus Frankfurter Sicht wäre der kommende Sommer also der letzte Zeitpunkt, um eine nennenswerte Ablöse zu erzielen. Trotz der durchwachsenen Vorsaison bleibt der Junge ein interessanter Faktor für den BVB.
Trainer Adi Hütter scheint jedoch andere Pläne mit dem Talent zu haben. Er sieht Baum offenbar als Stammspieler für die kommende Saison und setzt große Stücke auf ihn. Der geplante Transfer von Anton Guy wurde deshalb mindestens verschoben, wenn nicht sogar ganz abgebrochen.
Eine klare Ansage an alle Interessenten: Frankfurt setzt auf den Youngster und hat seine Meinung gegenüber dem vorherigen Stand komplett geändert.
Sollte Baum dennoch den Wechsel zum BVB forcieren, wäre er dort allerdings nur die Nummer zwei hinter Julian Riasson. Diese Rolle würde seiner Entwicklung wohl nur bedingt guttun. Aus Sicht des Spielers wäre ein Verbleib in Frankfurt mit regelmäßiger Spielzeit sportlich die bessere Wahl, selbst wenn die Dortmunder ein attraktives Projekt bieten.
Der BVB könnte von der Idee dennoch profitieren, da Baum flexibel auf beiden Außenverteidigerpositionen einsetzbar ist.
Der VfB Stuttgart ist derweil bereit, für eine seiner Stützen kräftig zu bezahlen. Der Klub hat ein drittes Angebot für den Wolfsburger Jenan Pecinovic abgegeben. Laut der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung liegt die Offerte bei 23 Millionen Euro Fixsumme, Bonuszahlungen könnten das Paket auf über 25 Millionen Euro ansteigen lassen.
Die Verantwortlichen pokern jedoch noch um die Details der Zahlungsmodalitäten.
Der VfL Wolfsburg beharrt einem Kicker-Bericht zufolge jedoch auf einer Ablöse von 25 Millionen Euro plus Boni für den U21-Nationalspieler. Da diese Marke im dritten Angebot offenbar noch nicht erreicht wurde, fehlt weiterhin der Durchbruch. Die Gespräche laufen jedoch, und die Tendenz geht dahin, dass man eine Lösung finden wird.
Der Spieler selbst möchte nicht in die 2. Bundesliga und würde offenbar gerne in Stuttgart Champions League spielen.
Eine ganz andere Personalie sorgt beim VfB für Aufsehen: Bilal El Khannouss könnte den Klub in diesem Sommer verlassen. Sky berichtet von möglichen Anfragen aus England, wobei keine konkreten Klubs genannt werden. Ab einer Ablöse von 60 bis 65 Millionen Euro wäre Stuttgart offenbar gesprächsbereit.
Der VfB hatte den Marokkaner erst im Sommer für 15 Millionen Euro von Leicester City fest verpflichtet.
Einem Bericht der Bild zufolge wäre der Spieler einem Wechsel nicht abgeneigt. Diese Aussage stammt bereits aus dem Frühsommer und könnte mittlerweile veraltet sein. Der VfB hat dank des Vertrags bis 2030 keine finanzielle Not und spielt in dieser Saison in der Königsklasse.
Für den Spieler bietet sich die Chance, sich auf der großen Bühne zu präsentieren und seinen Marktwert weiter zu steigern.
Sollte tatsächlich ein englischer Klub mit einer Mondsumme anklopfen, werden die Stuttgarter zumindest in Verhandlungen treten müssen. Sportlich ist der VfB nicht auf Einnahmen angewiesen, aber eine solche Ablöse würde neue Möglichkeiten im Kader-Umbau schaffen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Interessenten ernst machen oder ob El Khannouss zunächst einmal in Stuttgart bleibt.
Ein spannendes Stürmer-Gerücht gibt es zudem vom SV Werder Bremen. Das polnische Portal matchiki. pl berichtet von Verhandlungen mit Lechia Danzig über einen Transfer von Thomas Bobcek.
Der 24-jährige Slowake steht beim Absteiger noch bis 2030 unter Vertrag, ein Wechsel für rund zehn Millionen Euro scheint möglich. Seine Statistiken der Vorsaison sind beeindruckend: 21 Tore und sechs Vorlagen in 33 Pflichtspielen.
Allerdings ist die polnische Extraklasa nicht unbedingt das Niveau der Bundesliga. Ein Transfer birgt daher ein gewisses Risiko, dass der Spieler sich auf dem höheren Niveau schwertut. Doch die Quote, erzielt im Abstiegskampf mit einem schwachen Team, macht Werder Hoffnung.
Nach dem Abstieg würde man Bobcek keine Steine in den Weg legen. Bremen muss auf der Stürmerposition dringend etwas tun.
Die Transferperiode läuft noch über einen Monat, und die Vereine haben weiterhin Zeit für Verhandlungen. Die Aussagen von Thomas Kessler haben gezeigt, dass Klub-Bosse geschickt mit der öffentlichen Wahrnehmung und dem Zeitdruck spielen. Ein klares Dementi bezüglich eines Mala-Verkaufs sieht jedenfalls anders aus – Türen bleiben offen, Preise werden gedrückt oder gepusht, je nach Perspektive.
Für Borussia Dortmund gilt es in den kommenden Wochen, die Hausaufgaben zu machen. Ob man nun Said Mala verpflichtet oder die Position des Rechtsverteidigers neu besetzt – der Klub muss sich im Wettbewerb um die besten Talente positionieren. Die Verantwortlichen haben bewiesen, dass sie bereit sind, hohe Summen zu investieren.
Der Poker hat gerade erst begonnen.



