München – Ein renommierter Altersmediziner hat eine Reihe von sechs einfachen Übungen vorgestellt, die das Erscheinungsbild des Halses und des Gesichts ab dem 60. Lebensjahr deutlich verbessern sollen. Dr.
Klaus Müller, der seit über drei Jahrzehnten in der Medizin tätig ist, erklärt in einem aufsehenerregenden Video, dass schlaffe Haut am Hals kein unvermeidliches Schicksal sei, sondern die Folge eines vernachlässigten Muskels. Dieser Muskel, das Platysma, reagiere auf gezieltes Training in jedem Alter. Die Nachricht verbreitet sich rasant in sozialen Netzwerken und sorgt für Diskussionen unter Medizinern und Kosmetikexperten.
Der Auslöser für die Aufmerksamkeit ist eine einfache Selbstuntersuchung, die Dr. Müller empfiehlt. Man solle die Haut vorne unter dem Kinn leicht zusammendrücken.
Könne man mehr als einen Zentimeter Haut abheben, sei das ein Zeichen dafür, dass das Platysma seine Arbeit eingestellt habe. Dieser Muskel, der wie ein dünnes Tuch vom Schlüsselbein bis zum Unterkiefer gespannt ist, verliere mit den Jahren an Spannkraft. Anders als Knochen oder Knorpel sei er jedoch trainierbar.
Die Übungen, die der Mediziner vorstellt, zielen genau auf diese muskuläre Grundlage ab.
Dr. Müller betont, dass es sich bei dem Problem nicht um ein rein kosmetisches handelt. Ein erschlafftes Platysma weise auf ein muskuläres Defizit hin, das mehr über die allgemeine Körperhaltung verrate.
Der Hals zeige, wie es um die Haltung stehe, der Kiefer verrate die Atmung, und das Gesichtsoval gebe Aufschluss über ein System unter der Haut, das als SMAS bekannt ist. Dieses superfiziale muskuloaponeurotische System ist ein inneres Gerüst aus Bindegewebe und Muskelfasern, das Chirurgen bei Gesichtsstraffungen bearbeiten.
Die gute Nachricht, so der Experte, sei, dass man den Abbau dieses Systems verlangsamen und die Durchblutung verbessern könne. Chirurgische Ergebnisse seien mit Übungen zwar nicht erreichbar, aber sichtbare Verbesserungen über Monate hinweg seien durchaus möglich. Dies liege an der einzigartigen Eigenschaft der Gesichtsmuskeln, die direkt an der Haut ansetzen.
Wenn diese Muskeln stark seien, zögen sie die Haut straff. Werde der Muskel schwach, habe die Haut keinen Halt mehr und folge der Schwerkraft.
Drei Prozesse seien für den Verfall verantwortlich: der Muskelschwund, der ab dem 30. Lebensjahr pro Jahrzehnt drei bis acht Prozent der Muskelmasse koste, der Kollagenabbau, der ab Mitte 30 jährlich um etwa ein Prozent sinke, und das Schrumpfen des Gesichtsschädels. Gegen den Knochenabbau könne man wenig tun, gegen den Kollagenabbau einiges, aber gegen den Muskelschwund könne man alles tun.
Eine klinische Studie habe gezeigt, dass Menschen zwischen 40 und 70 Jahren nach 20 Wochen systematischer Gesichtsübungen eine messbare Zunahme der Wangenfülle und eine Verbesserung des Gesichtsovals erreichten.
Dr. Müller warnt jedoch vor einem entscheidenden Fehler, den viele machen. Die tägliche Stunden mit gesenktem Kopf, etwa beim Blick auf das Telefon oder die Tastatur, verkürzten das Platysma dauerhaft.
Der Kopf wiege etwa fünf Kilogramm, bei einer Neigung von 30 Grad wirke jedoch eine Last von 20 Kilogramm auf die Halswirbelsäule. Der Muskel dehne sich in eine Richtung, für die er nicht gebaut sei, und bleibe irgendwann in dieser Position. Die Lösung beginne daher nicht mit einer Übung, sondern mit einer Haltungskorrektur.
Der Mediziner empfiehlt, das Kinn leicht zurückzuziehen, als würde ein Faden am Hinterkopf nach oben ziehen. Diese Position verlängere den Hals und bringe das Platysma in eine neutrale Lage. Allein durch diese Haltungskorrektur könne die Kieferlinie schärfer werden.
Wer diese Position zur Gewohnheit mache, habe mehr für das Gesichtsoval getan als mit jeder Creme. Die Übungen selbst kosteten nichts, benötigten kein Gerät und dauerten weniger als zehn Minuten täglich, verlangten aber Geduld.
Die erste Übung ist die Platysmaaktivierung. Dabei setzt man sich aufrecht hin, hebt das Kinn leicht an, zieht die Unterlippe über die untere Zahnreihe und spannt die Halsmuskulatur an. Zwei vertikale Stränge sollten sichtbar werden.
Diese Spannung wird fünf Sekunden gehalten und zehnmal wiederholt. Die zweite Übung ist die Widerstandsdehnung, bei der die Handfläche flach auf die Stirn gelegt wird und der Kopf fünf Sekunden dagegen drückt, ebenfalls zehnmal. Diese Übung stärkt nicht nur das Platysma, sondern auch die tiefen Halsmuskeln.
Die dritte Übung ist die Zungenübung, die überraschend wirkt. Die Zungenspitze wird fest an den Gaumen hinter den oberen Schneidezähnen gedrückt, dann wird geschluckt. Dabei zieht sich die Muskulatur unter dem Kinn zusammen.
Diese Übung stärkt den Mundboden, der direkt mit der Halsmuskulatur verbunden ist. Ein schwacher Mundboden führe oft zu einem sogenannten Doppelkinn, das kein Fettproblem, sondern ein Muskelproblem sei. Die Übung sollte zehnmal, dreimal täglich, durchgeführt werden.
Dr. Müller warnt vor zwei häufigen Fehlern. Der erste sei das Training des Ringmuskels um den Mund, der die Nasolabialfalte verstärke.
Stattdessen solle man die Wangenmuskulatur stärken, die die Falte anhebe. Der zweite Fehler sei übertriebenes Grimassieren, das Falten tiefer einpräge. Kontrollierte, moderate Anspannung sei der Schlüssel.
Die erste Gesichtsübung ist der Wangenheber, bei dem die Oberlippe über die obere Zahnreihe gezogen wird und nur die Wangenmuskulatur nach oben bewegt wird, ohne die untere Gesichtshälfte.
Die zweite Gesichtsübung ist der Kieferlinienschärfer, bei dem der Kopf leicht nach hinten gekippt wird, der Unterkiefer langsam nach vorne geschoben wird und der Kopf dann langsam zur Seite gedreht wird. Diese Übung arbeite genau an der Zone, die als erstes unscharf werde. Die dritte Übung ist die Wangenluft, bei der die Wangen fest aufgeblasen werden und die Luft langsam von einer Wange zur anderen geschoben wird.
Dieses Widerstandstraining ohne Gewicht stärke den tiefen Wangenmuskel, der die innere Stützwand der Wange bilde.
Drei Dinge ergänzen die Übungen: ausreichend Wasser, um das Bindegewebe geschmeidig zu halten, die Bausteine für Kollagen wie Quark, Eier, Paprika und Brokkoli, sowie eine sanfte Lymphdrainage am Morgen. Die gesamte Routine dauert acht bis zehn Minuten. Dr.
Müller empfiehlt, sie einmal täglich morgens vor dem Spiegel durchzuführen. Nach vier Wochen spüre man eine Veränderung, nach acht Wochen sehe man sie, und nach zwölf Wochen bemerke sie jemand anderes. Die Veränderung verlaufe nicht linear, aber sie komme.
Der Mediziner schließt mit einer klaren Botschaft: Schlaffe Haut und ein unscharfes Gesichtsoval seien kein Schicksal. Es seien Muskeln, die auf Training warteten, und Muskeln antworteten in jedem Alter. Er fordert die Zuschauer auf, noch heute Abend eine einzige Sache zu tun: sich vor den Spiegel zu stellen, das Platysma anzuspannen und die Übung zehnmal zu wiederholen.
Der schwierigste Schritt sei nie die Übung selbst, sondern sie zum ersten Mal zu machen. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer, und viele Menschen fragen sich, ob sie den Beweis antreten werden.



