Ich bin 83 Jahre alt und dachte, meine Tochter liebt mich. Gestern hat mir mein Enkel eine Schneekugel geschenkt – und als ich sie schüttelte, formte der Schnee plötzlich Wörter. Wörter, die meine…

Ich bin 83 Jahre alt und dachte, meine Tochter liebt mich. Gestern hat mir mein Enkel eine Schneekugel geschenkt – und als ich sie schüttelte, formte der Schnee plötzlich Wörter. Wörter, die meine...

Die Schneekugel lag in meiner Hand, nicht größer als meine Faust, mit einem winzigen Foto unseres Hauses darin. Ich schüttelte sie vorsichtig, und der künstliche Schnee wirbelte um das Bild. Dann formten die Flocken plötzlich Buchstaben – winzige, kaum sichtbare Buchstaben, die nach ein paar Sekunden wieder zerfielen. „H fe“, buchstabierte ich leise.

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Meine Tochter Ingrid sprang auf. „Was für ein Unsinn. Felix, wir gehen jetzt. “

„Nein, Mama“, sagte mein Enkel Felix mit einer Stimme, die älter klang als seine fünfzehn Jahre.

„Opa muss die Wahrheit wissen. “

Ich bin Franz Koller, 83 Jahre alt. Seit dem Tod meiner Frau Margarete vor vier Jahren lebe ich allein in unserem Haus in München, das wir 1968 gekauft haben – damals noch mit fast unseren gesamten Ersparnissen, weil Margarete davon träumte, dass unsere kleine Familie ein eigenes Zuhause haben sollte. Ingrid ist unser einziges Kind, 52 Jahre alt, geschieden, und Mutter von Felix.

Felix ist das Einzige, was mir noch Freude bereitet. An diesem grauen Novembermorgen standen sie vor meiner Tür. Ingrid, perfekt gestylt, mit teurem Mantel und dem falschen Lächeln, das sie seit Jahren trägt. „Hallo Papa“, sagte sie und küsste mich flüchtig auf die Wange.

„Felix wollte dir unbedingt etwas schenken. “

Felix drückte mir eine kleine Schachtel in die Hand. „Das ist für dich, Opa. Ich hoffe, es gefällt dir.

„Du musst mir doch nichts schenken, mein lieber Junge“, sagte ich und umarmte ihn. „Doch“, beharrte er und sah dabei nervös zu seiner Mutter. „Es ist wichtig. “

„Papa, wir können nicht lange bleiben“, warf Ingrid ein und blickte auf ihre teure Armbanduhr.

„Ich habe einen Termin. “

Immer diese Termine. In den vier Jahren seit Margaretes Tod hatte Ingrid nie Zeit gehabt – außer für Termine beim Notar, beim Versicherungsmakler, bei der Bank. Immer wenn es um Geld ging, hatte sie Zeit.

Nein, danke, sagte sie, als ich Kaffee anbot, und setzte sich auf die Kante von Margaretes Lieblingssessel. „Felix, zeig Opa dein Geschenk. “

In der Schachtel lag eine Schneekugel. Das Besondere daran war das Foto im Inneren: unser Haus, vom Garten aus aufgenommen, mit Margaretes Rosen in voller Blüte.

Ich war ehrlich bewegt. „Felix, das ist wunderschön. Woher hast du dieses Foto? “

Er wurde rot.

„Ich habe es letzten Sommer gemacht, als Mama dachte, ich spiele im Garten. Aber ich habe zugehört, als sie mit diesem Mann telefoniert hat. “

„Felix! “, zischte Ingrid scharf.

Aber Felix ließ sich nicht einschüchtern. „Opa, schüttel die Kugel mal. Es passiert etwas Besonderes. “

Der Schnee formte Buchstaben: „H fe“.

Dann begriff ich – es war der Anfang von „Hausverkauf fernhalten“ oder etwas Ähnlichem. Ingrid stand auf. „Wir gehen jetzt. “

Felix holte tief Luft.

„Mama will das Haus verkaufen. Sie hat schon mit einem Makler geredet. Sie sagt, du bist zu alt und kannst nicht mehr allein leben. “

Die Worte trafen mich wie Schläge.

„Stimmt das, Ingrid? “, fragte ich. Sie wurde bleich. „Es ist kompliziert.

Das Haus ist zu groß für dich. Die Unterhaltungskosten sind enorm. Du könntest in ein schönes Altersheim ziehen, mit Betreuung und Gesellschaft. Und das Geld vom Hausverkauf würden wir für dich verwalten, für deine Pflege.

Felix schüttelte den Kopf. „Das ist gelogen, Opa. Mama hat Schulden. Viele Schulden.

Sie hat dem Makler gesagt, sie braucht das Geld sofort. “

„Halt den Mund! “, schrie Ingrid. „Du verstehst das nicht.

Aber ich verstand. Plötzlich verstand ich alles: die häufigen Besuche in den letzten Monaten, immer mit derselben Leier über mein Alter und meine angebliche Hilflosigkeit. Die Fragen nach meinem Testament, nach den Versicherungspapieren, nach den Bankkonten. „Ingrid“, sagte ich leise, „erzähl mir die Wahrheit.

Sie brach zusammen wie ein Kartenhaus. „Papa, ich bin verzweifelt. Nach der Scheidung ist alles schief gelaufen. Mein Ex-Mann zahlt keinen Unterhalt.

Die Anwälte haben ein Vermögen gekostet. Ich stehe vor dem Bankrott. “

„Und deshalb willst du mich in ein Heim abschieben? “

„Nicht abschieben“, protestierte sie.

„Ich dachte, es wäre das Beste für uns alle. “

Felix legte seine Hand auf meine Schulter. „Opa, ich habe mehr gehört. Mama hat mit jemandem telefoniert.

Sie haben über dich geredet, als wärst du schon tot. Sie haben gesagt, alte Leute werden manchmal verwirrt, dass man sie leicht für unzurechnungsfähig erklären lassen kann. “

Die Stille, die folgte, war fast greifbar. Ich starrte meine Tochter an – die Frau, die ich großgezogen, geliebt und immer unterstützt hatte.

„Ist das wahr? “, fragte ich mit einer Stimme, die ich selbst nicht erkannte. Ingrid schwieg. Ihre Tränen waren versiegt, und in ihren Augen sah ich nur noch Kälte.

„Antworte mir! “

„Was soll ich sagen? “, erwiderte sie schließlich. „Ja, ich habe mich erkundigt nach den rechtlichen Möglichkeiten.

Aber nur für den Fall. Ich stehe vor dem Nichts, Papa. Felix und ich haben nichts mehr. Das Haus ist unser einziger Ausweg.

„Unser Haus“, wiederholte ich. „Das Haus, in dem du aufgewachsen bist. Das Haus, in dem deine Mutter gestorben ist. Es ist nur ein Haus“, sagte sie kalt.

In diesem Moment wusste ich, dass meine Tochter verloren war. Felix schüttelte wieder die Schneekugel. Diesmal formten die Flocken andere Buchstaben: „S i e L ö g t“. „Wie hast du das gemacht?

“, fragte ich fasziniert. Felix lächelte zum ersten Mal an diesem Tag. „Ich lerne Physik – statische Aufladung und Magnetismus. Ich habe winzige Metallpartikel in den Schnee gemischt.

Mit einem kleinen Magneten unter der Basis kann ich Botschaften formen. “

„Du bist ein sehr kluger Junge“, sagte ich stolz. „Genau wie dein Großvater. “

Ingrid stand abrupt auf.

„Wir gehen jetzt. “

„Ja“, stimmte ich zu. „Das macht ihr. Aber Felix, du kannst bleiben, wenn du willst.

„Nein! “, fauchte Ingrid. „Felix kommt mit mir. “

Aber Felix schüttelte den Kopf.

„Nein, Mama. Ich schäme mich für das, was du getan hast. Opa hat uns nie etwas Böses getan. Er hat dich sogar nach deiner Scheidung finanziell unterstützt.

Und so dankst du es ihm? “

Ingrid packte Felix grob am Arm. „Du kommst jetzt mit. “

„Lass ihn los“, sagte ich bestimmt.

„Das ist mein Sohn und ich bin dein Vater. Aber im Gegensatz zu dir vergesse ich das nicht. “

Ingrid zerrte Felix zur Tür, aber bevor sie gingen, drehte sie sich noch einmal um. „Papa, du hast eine Woche Zeit.

Entweder du stimmst freiwillig zu, oder ich werde andere Wege finden. “

„Ist das eine Drohung? “

„Das ist ein Versprechen. “

Die Tür fiel ins Schloss.

Ich blieb allein zurück mit der Schneekugel in den Händen. Ich schüttelte sie wieder, und diesmal formten die Schneeflocken ein Herz. Felix hatte mir nicht nur ein Geschenk gemacht – er hatte mir eine Warnung geschenkt und vielleicht auch einen Weg, mich zu wehren. Ich setzte mich in Margaretes alten Sessel und betrachtete das winzige Foto unseres Hauses.

Vier Jahrzehnte Erinnerungen steckten in diesen Mauern. All das wollte Ingrid für Geld verkaufen. Aber sie hatte mich unterschätzt. Sie sah nur einen schwachen alten Mann, aber ich war Franz Koller.

Ich hatte den Krieg überlebt. Ich hatte mein eigenes Geschäft aufgebaut. Ich hatte Margarete bis zu ihrem letzten Atemzug gepflegt. Ich war nicht hilflos.

Jetzt würde ich kämpfen. Die nächsten Tage verbrachte ich damit, meine Optionen durchzudenken. Am dritten Tag klingelte es wieder – diesmal war es Felix allein. „Opa“, sagte er atemlos.

„Mama ist zu einem Anwalt gegangen. Sie will dich entmündigen lassen. “

„Ich weiß“, erwiderte ich ruhig. „Komm rein, mein Junge.

Felix setzte sich zu mir aufs Sofa. „Was können wir tun? “

„Du kannst nichts tun“, sagte ich bestimmt. „Du bist ein Kind.

Das hier ist ein Erwachsenenproblem. “

„Aber ich will dir helfen. “

„Das hast du schon getan, Felix. Mehr als du ahnst.

Ich nahm die Schneekugel vom Tisch und schüttelte sie. „Zeig mir noch einmal, wie das funktioniert. “

Felix erklärte mir das System mit den Metallpartikeln und dem Magneten. Es war genial – einfach und raffiniert zugleich.

„Du hast das Gehirn deines Großvaters“, sagte ich lächelnd, „aber den Charakter deiner Großmutter. “

„Mama sagt, ich bin zu weich für diese Welt. “

„Deine Mama irrt sich in vielen Dingen. Güte ist keine Schwäche, sondern die größte Stärke, die ein Mensch haben kann.

Felix verbrachte den ganzen Nachmittag bei mir. Wir redeten über die Schule, seine Träume, seine Sorgen. Ich erzählte ihm von Margarete, von unserer Jugend, von Ingrid, als sie noch ein unschuldiges Mädchen war. Als es dunkel wurde, brachte ich ihn nach Hause.

Ingrid öffnete die Tür und starrte mich voller Hass an. „Wo warst du? Hast du wieder Zeit mit deinem dummen Großvater verbracht? “, schrie sie Felix an.

„Ja, ich war bei meinem Großvater, und du darfst ihn nicht dumm nennen. “

„Ich habe dir verboten, zu diesem senilen Trottel zu gehen! “

„Dann bin ich eben ein Trottel. Du kannst mir nicht verbieten, meinen Großvater zu lieben.

Ingrid funkelte mich an. „Du alter Trottel, komm meinem einzigen Kind nicht zu nahe. “

„Was passiert, wenn ich mich ihm nähere? “, fragte ich ruhig.

„Dann stecke ich dich in eine Scheißgrube! Ich will keinen Idioten wie dich in meinem Leben“, schrie sie und lachte dann höhnisch. Trotz ihrer Beleidigungen suchte ich die Schuld bei mir selbst. Wie kann man seine einzige Tochter aufgeben?

Ich bereute es, eine solche Tochter großgezogen zu haben. Aber um mich zu wehren, musste ich meine Schritte detailliert planen. Zuerst rief ich meinen alten Freund Dr. Heinrich Altmann an, einen Psychiater, der kurz vor der Pensionierung stand.

Wir kannten uns seit den Siebzigern, aus dem Schachclub. „Franz“, begrüßte er mich. „Lange nichts gehört. Wie geht es dir?

„Ich brauche deine Hilfe, Heinrich. Es geht um meine Tochter. “

Ich erzählte ihm alles – von Ingrids Plänen, von der Entmündigungsdrohung, von Felix‘ Schneekugel. Heinrich hörte schweigend zu.

„Das ist ein klassischer Fall“, sagte er schließlich. „Erwachsene Kinder, die ihre Eltern für hilflos erklären lassen wollen, um an das Erbe zu kommen. Ich sehe das leider häufiger. “

„Kannst du mir helfen?

„Mehr als das. Ich kann dir eine kleine Falle stellen. Wenn Ingrid versucht, dich für unzurechnungsfähig erklären zu lassen, braucht sie einen Psychiater, der das bestätigt. Ich kenne alle Kollegen in München, die sich dafür bezahlen lassen.

Ich sorge dafür, dass sie an mich verwiesen wird – als neutraler Gutachter. “

Als Nächstes rief ich meinen Anwalt Dr. Müller an, der bereits mein Testament aufgesetzt hatte. Auch ihm erzählte ich die ganze Geschichte.

„Franz“, sagte er kopfschüttelnd, „das ist abscheulich. Aber rechtlich hast du alle Möglichkeiten, dich zu wehren. Vor allem, wenn du Beweise sammeln kannst. “

„Was für Beweise?

„Aufnahmen von Gesprächen, Zeugenaussagen, schriftliche Dokumente – alles, was Ingrids wahre Motive belegt. “

Dr. Müller gab mir ein kleines Aufnahmegerät, nicht größer als eine Streichholzschachtel. „Das hier ist legal.

Du darfst in deinem eigenen Haus aufzeichnen, was du willst. “

Am Donnerstag rief Ingrid an. Ihre Stimme klang kalt und geschäftsmäßig. „Papa, ich habe einen Termin für dich vereinbart.

Dr. Zimmermann, ein Spezialist für Alterspsychiatrie, möchte dich untersuchen. “

„Dr. Zimmermann?

Nie gehört. “

„Er ist sehr renommiert. Morgen um drei Uhr. Und wenn ich nicht komme, dann wird er zu dir kommen – mit entsprechender Begleitung.

Nach dem Telefonat rief ich sofort Heinrich an. „Kennst du einen Dr. Zimmermann? “

Heinrich lachte bitter.

„Klaus Zimmermann? Ja, den kenne ich. Ein Arzt ohne Skrupel. Er erklärt jeden für verrückt, wenn der Preis stimmt.

Aber mach dir keine Sorgen, Franz. Ich habe schon alles arrangiert. “

Am Freitag um drei Uhr stand Zimmermann vor meiner Tür. Ein kleiner nervöser Mann mit dünnen Haaren und kalten Augen.

Hinter ihm standen Ingrid und, zu meiner Überraschung, ein fremder Mann im teuren Anzug. „Herr Koller“, sagte Dr. Zimmermann mit öliger Stimme, „ich bin Dr. Zimmermann.

Ihre Tochter macht sich große Sorgen um Sie. “

„Sorgen? “, wiederholte ich und aktivierte unauffällig das Aufnahmegerät in meiner Hemdtasche. „Was für Sorgen?

„Gedächtnisverlust, Verwirrung, die Unfähigkeit, den Haushalt zu führen“, ratterte er herunter. „Ganz normale Alterserscheinungen. “

„Und wer sind Sie? “, fragte ich den Mann im Anzug.

„Bernt Huber, Immobilienmakler“, stellte er sich vor. „Ich mache nur eine kleine Bewertung des Hauses. “

„Damit ich für verrückt erklärt werde? “

Dr.

Zimmermann räusperte sich. „Niemand will Sie für verrückt erklären, Herr Koller. Wir wollen nur sicherstellen, dass Sie die bestmögliche Betreuung bekommen. “

Er führte verschiedene Tests mit mir durch – Fragen nach dem Datum, nach meinem Namen, einfache Rechenaufgaben.

Alles konnte ich problemlos beantworten. Aber ich bemerkte, wie er meine Antworten in seinen Notizen verdrehte. „Herr Koller zeigt deutliche Anzeichen kognitiver Beeinträchtigung“, diktierte er in sein Aufnahmegerät. „Patient ist zeitweise verwirrt und zeigt paranoide Tendenzen.

„Paranoide Tendenzen? “, fragte ich scharf. „Sie scheinen zu glauben, dass Ihre Familie Ihnen schaden will. Das ist ein typisches Symptom“, erklärte er gönnerhaft.

Während Zimmermann seine falschen Notizen machte, durchsuchte Bernt Huber ungeniert mein Haus. Er maß Räume aus, fotografierte, machte sich Notizen über den Renovierungsbedarf. „Das reicht“, sagte ich schließlich und stand auf. „Wir sind noch nicht fertig“, widersprach Dr.

Zimmermann. „Doch, das sind wir. Ich möchte, dass Sie alle mein Haus verlassen. “

Ingrid trat vor.

„Papa, sei vernünftig. Dr. Zimmermann will nur helfen. “

„Helfen?

“, lachte ich bitter. „Ihr wollt mich berauben, Ingrid. Du willst mich für verrückt erklären lassen, um an mein Haus zu kommen. “

„Sehen Sie“, sagte Dr.

Zimmermann zu Ingrid, „Paranoia und Realitätsverlust. Ich fürchte, eine Einweisung ist unumgänglich. “

„Einweisung“, wiederholte ich. „Nur zur Beobachtung“, log Ingrid.

„Ein paar Tage in der Klinik, bis wir einen Platz im Heim gefunden haben. “

Mir wurde klar: Das war ihr Plan. Sie wollten mich in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen, wo Dr. Zimmermann mich so lange festhalten würde, bis Ingrid alle Papiere geregelt hatte.

„Nein“, sagte ich bestimmt. „Ich gehe nirgendwohin. “

Dr. Zimmermann holte Papiere aus seiner Tasche.

„Das ist ein vorläufiger Einweisungsbescheid. Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung kann ich Sie sofort einweisen lassen. “

„Welche Selbstgefährdung? “

„Sie leben allein in einem großen Haus, können sich nicht richtig versorgen, sind verwirrt und aggressiv.

„Das ist alles gelogen. “

„Sehen Sie“, sagte Dr. Zimmermann zu Ingrid, „aggressive Ausbrüche. Typisch für fortgeschrittene Demenz.

In diesem Moment klingelte es an der Tür. Ich öffnete, und zu meiner großen Erleichterung stand Heinrich Altmann dort, gefolgt von einem jüngeren Mann. „Franz“, begrüßte mich Heinrich. „Entschuldige die Störung.

Das ist Dr. Weber vom Gesundheitsamt. Wir haben eine Meldung bekommen und machen einen regulären Hausbesuch. “

Dr.

Zimmermann wurde kreidebleich. „Dr. Altmann, was machen Sie hier? “

„Meine Arbeit, Klaus.

Und Sie? Ich dachte, Ihnen wurde die Zulassung für psychiatrische Gutachten entzogen. “

„Das ist ein Missverständnis. “

„Nein, Klaus, ein Missverständnis ist das nicht.

“ Heinrich wandte sich an Ingrid. „Gnädige Frau, sind Sie über Dr. Zimmermanns Vorgeschichte informiert? “

„Welche Vorgeschichte?

„Dr. Zimmermann wurde vor zwei Jahren von der Ärztekammer verwarnt – wegen gefälschter Gutachten. Er ist nicht befugt, psychiatrische Einweisungen vorzunehmen. “

Dr.

Weber trat vor. „Herr Dr. Zimmermann, Sie kommen bitte mit uns. “ Dann wandte er sich an Bernt Huber.

„Haben Sie eine Berechtigung für diese Hausbewertung? “

Bernt Huber stammelte etwas von einem Missverständnis und verschwand schnell. „Moment“, rief ich. „Ich möchte, dass Dr.

Altmann meinen geistigen Zustand untersucht. Hier und jetzt. “

Heinrich nickte. „Gerne, Franz.

Die nächste halbe Stunde führte Heinrich eine gründliche Untersuchung mit mir durch – keine oberflächlichen Fragen, sondern eine echte psychiatrische Evaluation. Am Ende wandte er sich an Ingrid. „Ihr Vater ist vollkommen gesund. Geistig klar, emotional stabil, voll geschäftsfähig.

Es gibt nicht den geringsten Grund für eine Entmündigung. “

Ingrid brach zusammen. „Das kann nicht sein. Er ist alt.

Er vergisst Sachen. “

„Er ist 83 Jahre alt und geistig fitter als mancher Fünfzigjährige“, unterbrach Heinrich sie. „Was Sie versucht haben, gnädige Frau, nennt man Betrug. “

Dr.

Weber führte Dr. Zimmermann ab. Bevor er ging, drehte sich Heinrich noch einmal zu mir um. „Franz, du solltest einen Anwalt konsultieren.

Was hier passiert ist, hat rechtliche Konsequenzen. “

Als wir wieder allein waren, sah ich Ingrid an. Sie weinte, aber diese Tränen rührten mich nicht mehr. „Papa“, flüsterte sie.

„Ich bin verzweifelt. Ich wusste nicht mehr weiter. “

„Du wusstest genau, was du getan hast“, erwiderte ich kalt. „Du wolltest deinen eigenen Vater betrügen.

„Ich brauche das Geld. “

„Dann hättest du mich um Hilfe bitten können. Aber nein, du wolltest alles. Und dafür warst du bereit, mich zu zerstören.

Ich holte das Aufnahmegerät aus meiner Tasche und spielte ihr die Aufnahme vor. Die Stimmen von Ingrid und Dr. Zimmermann hallten durch das Wohnzimmer – jede Lüge, jede Manipulation war nun dokumentiert. „Das kannst du nicht machen!

“, schrie Ingrid. „Nein, Ingrid. Illegal ist das, was du getan hast. “

Ich ging zum Tisch und holte ein Dokument hervor.

„Das ist mein Testament. Dr. Müller hat es gestern eigenhändig verfasst. “

Ingrid riss mir das Papier aus der Hand und las mit immer größer werdenden Augen – aber es war kein liebevolles Wachsen, sondern ein Wachsen aus Angst.

„Du enterbst mich? Wie kann ein Dummkopf wie du mich enterben? “, schrie sie und spuckte mir ins Gesicht. Ich wischte mir das Gesicht ab.

„Das Haus bleibt Felix. Der Rest wird an Wohltätigkeitsorganisationen gespendet. Du bekommst keinen Cent. “

„Das kannst du nicht machen“, sagte sie diesmal weinerlich.

„Ich kann es, und ich habe es getan. Du hast bewiesen, dass du es nicht verdienst – mit deinen Lügen, deinen Beleidigungen und deinem unendlichen Hass“, sagte ich ruhig. Ingrid stürzte zur Tür. „Das lasse ich nicht zu.

Ich werde dagegen klagen. “

„Tu das. Aber bedenke: Ich habe alle Beweise. Deine Gespräche mit Dr.

Zimmermann, deine Pläne mit dem Makler. Wenn du klagst, wird alles öffentlich. “

Sie blieb an der Tür stehen, ihr Gesicht verzerrt vor Wut und Verzweiflung. „Du bist ein hartherziger alter Mann!

“, schrie sie. „Nein, Ingrid. Ich bin ein Vater, der von seiner eigenen Tochter betrogen wurde. Aber ich bin nicht derjenige, der ein Herz aus Stein hat.

Sie verließ das Haus und knallte die Tür zu. Ich hörte ihr Auto in der Ferne verschwinden und wusste, dass ich sie wahrscheinlich nie wiedersehen würde. Am nächsten Tag kam Felix zu mir. Er hatte von allem erfahren.

„Opa“, sagte er mit Tränen in den Augen, „es tut mir so leid. “

„Du hast nichts falsch gemacht, mein Junge. Im Gegenteil, du hast mir geholfen, die Wahrheit zu erkennen. Aber jetzt habe ich keine Familie mehr.

„Doch“, widersprach ich und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Du hast mich. Und ich habe dich. “

Felix zog zu mir.

Das große Haus war plötzlich wieder voller Leben. Margaretes Rosen blühten prächtiger als je zuvor, als wüssten sie, dass wieder Liebe in diesen Mauern wohnte. Manchmal, wenn ich abends mit Felix am Küchentisch sitze und ihm bei den Hausaufgaben helfe, nehme ich die Schneekugel in die Hand. Das kleine Foto unseres Hauses erinnert mich daran, dass manche Geschenke kostbarer sind als Gold.

Felix hatte mir nicht nur die Wahrheit geschenkt – er hatte mir gezeigt, dass noch Hoffnung war. Von Ingrid hörten wir nie wieder etwas. Dr. Müller erzählte mir, dass sie München verlassen hatte, vermutlich um ihren Gläubigern zu entkommen.

Die Schneekugel steht heute noch auf meinem Schreibtisch. Jeden Abend, bevor wir schlafen gehen, schüttelt Felix sie einmal. Der Schnee wirbelt um unser kleines Haus, und für einen Moment sieht es aus, als wäre alles auf der Welt genauso, wie es sein sollte.