„Die ist richtig praktisch“, sage ich und streiche über das glatte Material der nagelneuen Tasche, während meine Freunde neben mir auf dem Hotelzimmerboden sitzen, umgeben von Einkaufstüten und…

„Die ist richtig praktisch“, sage ich und streiche über das glatte Material der nagelneuen Tasche, während meine Freunde neben mir auf dem Hotelzimmerboden sitzen, umgeben von Einkaufstüten und...

Es ist der letzte Abend in New York, und ich sitze mit meinen Freunden auf dem Boden eines Hotelzimmers, umgeben von Einkaufstüten, leerem Kaffeebechern und dem ganzen Chaos, das eine mehrtägige Reise hinterlässt. Vor mir steht eine nagelneue Tasche, und ich kann nicht aufhören, sie anzufassen. Sie ist genau richtig: groß genug für meine komplette Technik, mit Fächern für alles, was ich brauche, und sie lässt sich umhängen, wenn mir der Rücken zu schwer wird. Ich habe sie in der Kleinstadt nie gefunden, so eine Tasche.

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Dort hätten sie mich schief angeschaut, hätten geurteilt, hätten gefragt, warum ich so ein Ding brauche. Hier ist das anders. Hier akzeptieren sie das, tolerieren es, und genau das liebe ich an dieser Stadt. „Die ist richtig praktisch“, sage ich und streiche über das glatte Material.

„Da kriegt man keine Kratzer rein, und man kann ganz viele Sachen dran befestigen. “

Meine Freundin neben mir lacht. Sie hat sich eine ähnliche Tasche gekauft, nur in Blau, und wir stellen fest, dass wir mal wieder fast dasselbe gekauft haben. Das passiert uns ständig.

„Wir haben beide blaue Taschen“, sage ich. „Das ist toll. Du packst einfach alles rein. “

„Ja, und wenn es mich doch nicht überzeugt, kann ich sie wieder verkaufen“, antworte ich.

„Die ist ganz neu, die gibt es noch nicht so richtig überall. Das geht schon. “

Wir grinsen uns an. Es ist eine dieser kleinen Rechtfertigungen, die man sich selbst erzählt, wenn man etwas Schönes gekauft hat.

Dabei weiß ich genau, dass ich sie behalten werde. „Da soll mal einer sagen, Geld hat keine Vorteile“, sage ich und lache. „Man kann sich eben Therapeuten leisten, damit man nicht warten muss. “

Die anderen lachen laut.

Einer von ihnen schüttelt den Kopf. „Hast du schon mal überlegt, wie viel du eigentlich ausgibst? “

„Nein, und ich will es auch nicht hören. “

Ich schaue auf meine Tasche, dann auf die anderen Taschen, die überall im Zimmer verteilt liegen.

Es sind nicht wenige. Aber das ist unser Leben, unsere Arbeit, unsere Art, die Welt zu sehen. Wir haben uns das erarbeitet, und dafür bin ich jeden Tag dankbar. Später am Abend geht es ums Packen, ums Gewicht, um den Rückflug nach Deutschland.

Ich klage über die schweren Sachen im Handgepäck: eine dicke Strickjacke, die ich im Flugzeug tragen werde, einen schweren Rock, den ich überziehen muss, nur um ein paar Kilo einzusparen. Meine Schuhe allein wiegen schon ein Kilo pro Paar. „Ich hatte trotzdem über fünf Kilo zu viel beim Hinflug“, sage ich. „Dabei habe ich kaum etwas gekauft.

„Vielleicht solltest du die schweren Sachen einfach anziehen“, schlägt jemand vor. „Alle auf einmal. “

„Ja, vielleicht. Wir werden sehen, ob es klappt.

Wir reden über den Flug morgen, über den Jetlag, der uns erwarten wird. Ich weiß, dass ich in Deutschland wieder in einem völlig anderen Rhythmus landen werde, dass die Sonne fehlen wird, dass das Wetter schlecht sein wird. Aber ich freue mich auch darauf, nach Hause zu kommen, meine Community wiederzusehen, weiterzumachen mit dem, was ich liebe. Irgendwann fällt mein Blick auf eine kleine Tasche, die in einer Ecke liegt.

Sie gehört einer Freundin, die nicht da ist, und sie ist so klein eingepackt, dass ich sie kaum erkenne. „Das ist Theas Tasche“, sage ich leise. „Ich weiß nicht, ob ich die zeigen darf. Ich glaube, das behalte ich für mich.

Die anderen nicken, fragen nicht weiter. Manche Dinge müssen nicht in einem Stream gezeigt werden. Wir schalten uns irgendwann noch einmal live, nur kurz, um uns zu bedanken. Der Bildschirm füllt sich mit Nachrichten, mit Herzchen, mit aufmunternden Worten.

Ich spüre, wie mir die Wärme hochsteigt, wie ich rot werde, obwohl ich es nicht zeigen will. „Ladies and Gentlemen“, sage ich in die Kamera, „wir danken euch herzlich für den unglaublichen Support auf dieser unglaublichen Reise. Die hätten wir niemals gemacht ohne euch. “

Meine Stimme zittert ein wenig.

Es ist wahr. Ohne die Leute, die jeden Tag den Chat öffnen, die zuschauen, die kommentieren, wäre das alles nicht möglich. Jeder Sub, jede Spende, jeder einzelne Zuschauer macht den Unterschied. Ich bin jeden Tag aufs Neue dankbar, und manchmal wird mir das selbst zu viel.

„Ihr seid eine so krass chillige Community“, sage ich. „Das ist verrückt. “

Einer von ihnen sagt: „Du wirst gleich wieder weinen. “

„Nein, werde ich nicht“, antworte ich und wische mir schnell über die Augen.

„Aber danke. Wirklich. Danke für alles. “

Wir sprechen darüber, was wir mit dem Geld machen würden, wenn wir richtig viel hätten.

Jemand schlägt vor, ich solle mir ein Haus kaufen, meine Oma unterstützen, mir vielleicht sogar eine kleine Bühne in den Hintergrund bauen. Ich lache. „Wenn ich richtig viel Geld hätte, würde ich trotzdem weiter streamen“, sage ich. „Das mache ich nicht fürs Geld.

Ich mache es, weil es Spaß macht. Ich würde einfach mehr reisen, mit euch verrückte Sachen machen. Aber aufhören? Nein, niemals.

„Und Stripper? “, fragt jemand grinsend. „Ich brauche keine Stripper“, antworte ich. „Wir haben euch.

Ihr seid genug. “

Wir lachen, und ich weiß, dass es stimmt. Diese Gemeinschaft, diese Leute, die jeden Tag einschalten, sie sind der Grund, warum ich morgens aufstehe und weitermache. Der Stream endet mit Dankesworten, mit einem Versprechen auf ein Wiedersehen in Deutschland, mit dem Wissen, dass der Flug morgen früh geht und dass die Nacht kurz sein wird.

Ich schalte die Kamera aus und lehne mich zurück. „Das war wirklich eine gute Zeit“, sage ich leise. „Ja“, antwortet einer. „Es war super cool.

Wir sitzen noch eine Weile schweigend da, umgeben von Taschen und Kisten und den Erinnerungen an die letzten Tage. Morgen geht es zurück. Morgen beginnt wieder der Alltag. Aber heute, in diesem Moment, bin ich einfach nur glücklich.

Ich denke an die vielen kleinen Momente dieser Reise: das Lachen am Flughafen, das gemeinsame Essen, die verrückten Gespräche. Ich denke an die Stadt, die so anders ist als meine Heimat, an die Menschen, die alles akzeptieren, die nicht urteilen. Und ich denke an die Tasche, die vor mir steht, die ich liebe, weil sie so praktisch ist, weil alles hineinpasst, weil sie mir das Gefühl gibt, bereit zu sein für alles, was kommt. Irgendwann stehe ich auf, gehe zum Fenster und schaue hinaus auf die Lichter der Stadt.

Es ist dunkel, aber überall leuchtet es. Ich weiß nicht, wann ich wiederkommen werde, aber ich weiß, dass ich es will. „Chat“, sage ich leise, obwohl niemand mehr zuhört, „wir sehen uns in Deutschland. “

Ich drehe mich um, sehe meine Freunde, die langsam müde werden.

Einer von ihnen gähnt laut. Wir müssen packen, müssen schlafen, müssen morgen früh raus. Aber niemand bewegt sich. „Sollen wir noch einmal raus?

“, fragt jemand. „Zur Times Square? “

„Ich glaube, das schaffen wir nicht mehr“, sage ich. „Wir müssen früh aufstehen.

„Man weiß es nicht“, antwortet er. „Vielleicht. “

Wir grinsen uns an, und ich weiß, dass wir es wahrscheinlich nicht tun werden. Aber es ist schön, daran zu denken, es wenigstens in Erwägung zu ziehen.

Ich setze mich wieder auf den Boden, neben meine Tasche, und streiche über das Leder. Sie ist neu, sie ist schön, und sie gehört mir. Ich habe sie mir verdient, so wie ich mir all das verdient habe, was in den letzten Jahren passiert ist. Es gab Zeiten, da hätte ich nicht gedacht, dass ich je hier sein würde.

Aber ich bin hier, und ich bin dankbar. Am nächsten Morgen stehen wir am Flughafen, müde, aber zufrieden. Die Taschen sind gepackt, das Gewicht ist knapp, aber es passt. Ich trage die schwere Strickjacke und den dicken Rock, und ich schwitze wie verrückt, aber es lohnt sich.

Die Waage zeigt am Ende nur ein kleines Übergewicht, und wir schaffen es durch. Im Flugzeug sitze ich am Fenster und schaue hinaus, wie New York langsam kleiner wird unter mir. Die Stadt verschwindet, aber ich weiß, dass ich sie wiedersehen werde. Ich habe noch so viel vor, noch so viele Orte, die ich besuchen will, noch so viele Momente, die ich mit meiner Community teilen möchte.

„Danke“, sage ich leise, an niemanden und an alle gleichzeitig. Der Flug ist lang, aber ich schlafe bald ein. Als ich aufwache, sind wir schon über dem Atlantik, und vor mir liegt Deutschland. Der Himmel ist grau, und ich weiß, dass es dort kalt sein wird.

Aber ich weiß auch, dass ich zu Hause bin. Als ich den deutschen Boden betrete, spüre ich die vertraute Luft, höre die vertrauten Stimmen. Es ist anders als New York, aber es ist mein Zuhause. Und dort wartet schon die nächste Aufgabe, der nächste Stream, die nächste Reise.

Ich schaue auf meine neue Tasche, die ich die ganze Zeit bei mir getragen habe. Sie hat die Reise überstanden, keine Kratzer, keine Schäden. Sie ist bereit für das nächste Abenteuer, und ich bin es auch. Wir gehen durch den Flughafen, müde, aber glücklich.

Draußen regnet es leicht, wie immer. Aber ich lächle, weil ich weiß, dass ich bald wieder aufstehe, den Stream anschalte und all die Gesichter sehe, die mir so wichtig geworden sind. „Wir sehen uns gleich“, sage ich leise. Und ich weiß, dass es stimmt.

Der Kreis schließt sich, die Reise endet, aber die nächste beginnt schon. Ich freue mich darauf.