Drei Generalfeldmarschälle überschritten am 22. Juni 1941 zur selben Stunde die sowjetische Grenze, unter derselben Weisung, mit drei Heeresgruppen hinter sich und drei Kriegstagebüchern der Stäbe, die an derselben Zeile geöffnet wurden. Gerd von Rundstedt, Wilhelm Ritter von Leeb und Fedor von Bock führten den größten Angriff der Geschichte.
Nur einer von ihnen ist im englischsprachigen Gedächtnis geblieben.
Wer nach dem Befehlshaber der Heeresgruppe Süd in jenem Sommer fragt, erhält von vielen gebildeten Lesern im englischen Sprachraum sofort eine Antwort. Wer nach der Heeresgruppe Mitte fragt, bekommt sie langsamer. Wer nach der Heeresgruppe Nord fragt, bekommt oft gar keine.
Das ist der Befund, um den es geht.
Denn die Erinnerung folgt nicht der Leistung. Sie folgt nicht dem Gewicht des Papiers. Sie folgt einem Mechanismus, der sich nach 1945 schloss und der bis heute nachwirkt.
Die drei Männer, die den Ostkrieg eröffneten, waren innerhalb von sieben Wochen alle ihres Kommandos enthoben.
Rundstedt wurde am 1. Dezember 1941 entlassen, weil er den Rückzug auf den Mius befohlen hatte. Bock folgte am 19.
Dezember, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Leeb bat am 15. Januar 1942 selbst um seine Ablösung, weil Hitler ihm die Verkürzung der Linie verweigerte.
Keiner von ihnen verlor eine Schlacht.
Der Mann, der kein Tagebuch führte, keine Memoiren schrieb und von dem nur Verhörprotokolle und Gerichtsaussagen blieben, ist der einzige, dessen Name im englischen Sprachraum geläufig ist. Rundstedts persönliche Papiere sind die dünnsten der drei. Er ist der bekannteste.
Bock hinterließ ein Kriegstagebuch von der Konzentration für Polen bis in die letzten Wochen des Krieges, diktiert im Lauf der Tage. Es liegt vollständig auf Englisch vor, herausgegeben von Klaus Gerbet, übersetzt von David Johnston, erschienen bei Schiffer. Es ist mehr Zeit außerhalb des Drucks als darin.
Leeb hinterließ Tagebuchaufzeichnungen und Lagebeurteilungen aus zwei Weltkriegen. Die wissenschaftliche deutsche Ausgabe, herausgegeben von Georg Meyer, erschien 1976 in Stuttgart, einunddreißig Jahre nach der Kapitulation. Sie wurde nie ins Englische übersetzt.
Wer kein Deutsch liest, hat keinen Zugang zu Leebs eigenem Bericht.
Für Rundstedt gibt es stattdessen ein Buch mit dem Titel „Von Rundstedt, The Soldier and the Man“, erschienen 1952 auf Englisch, als sein Gegenstand noch lebte, geschrieben von Günther Blumentritt, seinem Stabschef beim Oberbefehlshaber West ab September 1942. Die Darstellung eines Untergebenen über seinen eigenen Vorgesetzten, in der Sprache der Männer, die ihn gerade besiegt hatten.
Vier Jahrzehnte später kam Charles Messengers „The Last Prussian“, eine kritische Biografie aus den Akten statt aus dem Stab. Zählen Sie nach: Der Mann ohne persönliche Aufzeichnung hat zwei englische Bücher mit seinem Namen auf dem Rücken. Der Mann mit der vollständigsten Aufzeichnung hat eine englische Ausgabe, die kommt und geht.
Der dritte ist nie über die Sprachgrenze gelangt.
Rundstedt ist nicht undokumentiert. Die Operationsbefehle seiner Heeresgruppe, die täglichen Lagemeldungen, die Verteilerlisten, die Akten des rückwärtigen Gebiets überleben in derselben Reihe wie die aller anderen. Was fehlt, ist ein Bericht aus erster Hand über sein eigenes Denken.
Alles, was in seiner eigenen Stimme vorliegt, entstand unter Warnung in einem britischen Lager oder in einem amerikanischen Gerichtssaal.
Die systematische Arbeit über alle drei ist Johannes Hürters „Hitlers Heerführer“, 2006 in München erschienen. Eine Kollektivstudie über 25 deutsche Heeresgruppen- und Armeebefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion im ersten Jahr. Hürter nahm sie als Gruppe, nicht einzeln, und nur so wird das Muster sichtbar.
Auch dieses Buch ist nur auf Deutsch erschienen.
Betrachten Sie die Größe dessen, was diesen Männern übergeben wurde. 3,8 Millionen Achsentruppen standen am Morgen des 22. Juni im Osten.
153 deutsche Divisionen waren eingesetzt, dazu rund 600. 000 Pferde und etwa ebenso viele Kraftfahrzeuge. Jede deutsche Operation zwischen der Grenze und den Vororten Moskaus lief über eines von drei Hauptquartieren.
Die Männer, die diese Hauptquartiere führten, waren 65, 64 und 60 Jahre alt. Gerd von Rundstedt, geboren am 12. Dezember 1875 in Aschersleben, war der dienstälteste Soldat der deutschen Armee nach Rangdatum und nach Ruf.
Er war auch, nach jedem Bericht über ihn, einschließlich der freundlichen, vom Detail abgewandt.
Wilhelm Ritter von Leeb, geboren am 5. September 1876 in Landsberg am Lech, bayerische Artillerie, diente in China während der Boxer-Expedition. 1938 wurde er während der Blomberg-Fritsch-Affäre hinausgedrängt.
Im selben Jahr veröffentlichte er „Die Abwehr“, eine Studie über den Verteidigungskampf, die zum Arbeitstext der deutschen Armee wurde.
Merken Sie sich das: Ein Mann, der das Handbuch über die elastische Verteidigung schrieb, wurde 1942 abgelöst, weil er um die Erlaubnis bat, eine durchzuführen. Fedor von Bock, geboren am 3. Dezember 1880 in Küstrin an der Oder, der jüngste der drei, war in der Armee als „der Sterber“ bekannt für die Art von Rede, die er über Opfer hielt.
Ihre Stabschefs für den Osten waren Georg von Sodenstern bei der Heeresgruppe Süd, Kurt Brennecke bei der Heeresgruppe Nord und Hans von Greiffenberg bei der Heeresgruppe Mitte. Diese drei Namen zählen, weil im Stab einer Heeresgruppe der Stabschef sehr viel von dem unterzeichnet, wonach der Befehlshaber später gefragt wird.
Am 30. März 1941 versammelte Hitler die ranghöchsten Befehlshaber für den Ostfeldzug in der Reichskanzlei und sprach über zwei Stunden. Franz Halder, Chef des Generalstabs, hielt den Inhalt in seinem Tagebuch fest.
Der kommende Krieg sei nicht als normaler Krieg zwischen Staaten zu führen, und die übliche Vorstellung soldatischer Kameradschaft gegenüber dem Feind sei beiseitezulegen. Leeb war im Raum.
Sechs Wochen später, am 13. Mai, erging über Wilhelm Keitels Unterschrift die Verordnung über die Ausübung der Militärgerichtsbarkeit im Barbarossa-Gebiet. Sie nahm sowjetische Zivilisten aus der Reichweite der Kriegsgerichte und legte die Entscheidung über ihr Leben in die Hände von Offizieren im Feld.
Sie autorisierte kollektive Gewaltmaßnahmen gegen die Einwohner eines Ortes, an dem eine Tat gegen deutsche Truppen geschehen war, auf Anordnung eines Bataillonskommandeurs oder höher. Und sie stellte fest, dass die Verfolgung deutscher Soldaten wegen Straftaten gegen feindliche Zivilisten nicht erforderlich sei, es sei denn, die Disziplin verlange es.
Walter von Brauchitsch, Oberbefehlshaber des Heeres, änderte sie am 24. Mai in einer Weise, die nichts an ihrer Absicht verengte und nur gegen individuelle Ausschreitungen absicherte. Am 6.
Juni kamen die Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare. Gefangene politische Offiziere waren sofort von anderen Gefangenen zu trennen und zu erschießen.
Der persönliche Eindruck von der Haltung eines Mannes sollte mehr zählen als ein Beweis. Der Befehl stand elf Monate und wurde am 6. Mai 1942 aufgehoben.
Bock protestierte dagegen. Er tat es mündlich über das Oberkommando des Heeres, gedrängt von zwei Offizieren seines eigenen Stabes, Henning von Tresckow und Rudolf Christoph von Gersdorff.
Als nichts zurückkam, soll er sich zu ihnen gewandt und gesagt haben, er wünsche festgehalten, dass Feldmarschall von Bock protestiert habe. Diese Zeile erreicht uns über Gersdorff, der die Geschichte nach dem Krieg erzählte. Es ist seine Darstellung, kein Dokument.
Unbestritten ist, dass der Befehl verteilt wurde und am 22. Juni in allen drei Heeresgruppen in Kraft trat.
Leebs Heeresgruppe Nord ging aus Ostpreußen vor mit 26 Infanteriedivisionen, drei Panzerdivisionen und drei motorisierten Divisionen. Georg von Küchler hatte die 18. Armee links, Ernst Busch die 16.
Armee rechts, Erich Hoepners Panzergruppe 4 saß dazwischen. Das Ziel waren die baltischen Staaten, dann Leningrad.
Bocks Heeresgruppe Mitte ging beiderseits des Białystok-Bogens vor. Adolf Strauß hatte die 9. Armee, Günther von Kluge die 4.
Armee, und die beiden Panzergruppen bildeten die stärkste Panzerkonzentration, die bis dahin unter einem Befehlshaber versammelt worden war. Das Ziel war Smolensk und dahinter die Straße nach Moskau.
Rundstedts Heeresgruppe Süd ging aus Südpolen und aus Rumänien vor. Walter von Reichenau hatte die 6. Armee, Karl Heinrich von Stülpnagel die 17.
Armee, Eugen Ritter von Schobert die 11. Armee, Ewald von Kleist die Panzergruppe 1 mit fünf Panzerdivisionen, vier motorisierten Divisionen und 799 Panzern. Das Ziel waren die Ukraine und Kiew.
Drei Heeresgruppen, eine Weisung. Innerhalb von acht Tagen divergieren die drei Ergebnisse bereits so weit, dass der Plan selbst unter Spannung gerät. Bock kam am schnellsten voran.
Guderian und Hoth trafen am 29. Juni östlich von Minsk zusammen. Der Ring schloss sich am folgenden Tag, 180 Kilometer hinter der Grenze in einer Woche.
Deutsche Meldungen nennen 287. 704 Gefangene in den Kesseln von Białystok und Minsk. Die sowjetische Abrechnung für dieselbe Operation verzeichnet Verluste in der Größenordnung von 417.
000 Mann, dazu 4. 799 Panzer und 9. 427 Geschütze und Granatwerfer.
Er blieb nicht stehen. Am 27. Juli schlossen Panzergruppe 2 und Panzergruppe 3 einen zweiten Ring um Smolensk.
Der erste deutsche Bericht nannte 309. 000 Gefangene, später nach oben auf 350. 000 korrigiert, mit 3.
120 zerstörten Geschützen und mehr als 900 Flugzeugen. Zwei Ringe in fünf Wochen, und nach der niedrigeren der beiden deutschen Zahlen für den zweiten etwas nahe an 600. 000 Mann darin.
Erich von Mansteins Korps und Hoths Panzergruppe legten rund 300 Kilometer in vier Tagen zurück.
Sie nahmen am 26. Juni die Straßenbrücke über die Düna bei Daugavpils intakt. Westlich davon kämpfte Georg Hans Reinhardts Korps bei Raseiniai den schwersten sowjetischen Panzergegenangriff des Nordabschnitts ab.
Riga fiel am 1. Juli. Dann kam die Luga-Linie und das Gelände nördlich davon, und das Tempo fiel ab und kam nicht zurück.

Rundstedt kam am langsamsten voran, und zwar aus einem Grund, der nichts mit Rundstedt zu tun hat. Kleist traf in der letzten Juniwoche bei Brody und Dubno auf die größte Konzentration sowjetischer Panzer an der ganzen Grenze. Bis zu 3.
000 Rotarmistenpanzer wurden in einer Reihe schlecht koordinierter und teuer zu schlagender Gegenangriffe eingesetzt. Er schlug sie. Es kostete ihn das Tempo, und das Tempo war der ganze Plan.
Anfang August hatten die drei Heeresgruppen aus einer Operationsweisung drei verschiedene Feldzüge gemacht. Und die Auseinandersetzung an der Spitze des deutschen Heeres ging nicht mehr darum, wie man sie ausführt. Sie ging darum, welche der drei verstärkt wird.
Die Entscheidung fiel im August, und sie fiel gegen Bock.
Hitler befahl Guderians Panzergruppe, um 90 Grad nach Süden aus der Achse der Heeresgruppe Mitte in die Nordflanke der sowjetischen Kräfte zu drehen, die den Kiewer Bogen hielten. Bock argumentierte damals dagegen, nicht hinterher, was einer der Punkte ist, für die sein Tagebuch wirklich nützlich ist. Halder argumentierte dagegen.
Brauchitsch argumentierte dagegen.
Guderian flog am 23. August zu Hitler und kam mit seiner beibehaltenen Panzergruppe und geänderter Richtung zurück. Es entstand die größte Einkesselung der Landkriegsgeschichte.
Kleist kam nach Norden, Guderian nach Süden, und die beiden trafen sich am 16. September bei Lochwyzja, etwa 120 Kilometer südöstlich von Kiew.
Deutsche Berichte beanspruchten 665. 000 Gefangene. Sowjetische Darstellungen haben die Zahl nie akzeptiert und nennen nicht mehr als 222.
000. Die Lücke zwischen diesen beiden Zahlen ist kein Rundungsfehler und von einer Seite nicht auflösbar. Deutsche Zählungen erfassten Männer in den rückwärtigen Gebieten, die nie in einer sowjetischen Einheitsmeldung erschienen waren.
Das war der zweite große Kessel für Rundstedts Hauptquartier. Der erste hatte sich am 2. August bei Uman mit 103.
000 Gefangenen geschlossen. Während das im Süden geschah, schloss sich Leebs Front auf Leningrad und hielt dann absichtlich davor an. Panzergruppe 4 und 18.
Armee erreichten am 8. September bei Schlüsselburg den Ladogasee und schnitten den letzten Landweg in die Stadt ab.
Die Stadt sollte nicht gestürmt werden. Bitten um Aushandlung einer Kapitulation sollten abgelehnt werden, und diese Anweisung erreichte die Heeresgruppe Nord Ende September, verstärkt durch einen weiteren Befehl, der Anfang Oktober über Alfred Jodl weitergegeben wurde. Die Absicht war, den Ring zu halten und den Winter die Arbeit tun zu lassen.
Zwischen eineinhalb und zwei Millionen Menschen starben in und um Leningrad in den folgenden zweieinhalb Jahren, wobei die Zahl allein für den Hungertod gemeinhin nahe bei 900. 000 genannt wird. Leebs Hauptquartier befahl der Artillerie, auf Zivilisten zu schießen, die den Einschließungsring zu verlassen versuchten, und dies außerhalb des Sichtfelds der vorderen Infanterie zu tun.
Am 5. September befahl Hitler, die Panzergruppe 4 von Leeb weg und zurück zu Bock, wirksam zum 15. Leeb blieb mit einem Ring um eine Stadt zurück, die zu betreten ihm verboten war, ohne seine Panzer und mit einer Front, die sich östlich des Ilmensees verlängerte.
Die Operation Taifun begann Ende September mit Bock an der Spitze der größten Streitmacht, die ein deutscher Befehlshaber im Krieg führte. Drei Panzergruppen und drei Armeen. Die Kessel von Wjasma und Brjansk schlossen sich im Oktober.
Die deutschen Ansprüche für beide zusammen beliefen sich auf 673. 000 Gefangene. Neuere Forschung korrigiert das auf etwa 514.
000 nach unten, was noch immer die zweitgrößte Ausbeute des Krieges ist.
Dann kam der Regen. Ab Mitte Oktober hörten die Straßen vor der Heeresgruppe Mitte auf, Straßen zu sein. Die Moschaisker Verteidigungslinie wurde durchbrochen, und der Vormarsch verlangsamte sich dennoch auf Schrittgeschwindigkeit, weil eine bespannte Infanteriedivision sich mit der Geschwindigkeit ihres schlechtesten Kilometers bewegt.
Das deutsche Ostheer war bespannt.
Der Frost, der den Boden im November härtete, fror auch die Motoren ein. Die letzten deutschen Angriffe kamen bis auf etwa 30 Kilometer an den Kreml heran, bevor sie stehenblieben. Die Rote Armee griff am 5.
Dezember an der Kalininer Front und am 6. entlang der West- und Nordwestfront an. Bocks Heeresgruppe war 167 Tage ununterbrochen im Einsatz gewesen.
Rundstedt war bereits fort. Kleist nahm Rostow am 21. November mit einer exponierten und ungestützten Speerspitze.
Die sowjetische Südfront unter Jakow Tscherewitschenko konterte am 27. mit Anton Lopatins 37. Armee.
Rostow war am 28. wieder in sowjetischer Hand. Rundstedt genehmigte den Rückzug auf den Mius, etwa 70 Kilometer westlich.
Hitler befahl, die Stadt zu halten, einen Tag nachdem sie bereits aufgegeben worden war. Rundstedts Antwort ging über die Leitung zurück. Wenn das Vertrauen in seine Führung nicht mehr bestehe, bat er, jemanden einzusetzen, der das nötige Vertrauen genieße.
Hitler nahm ihn beim Wort und entließ ihn am 1. Dezember. Reichenau, der unter ihm die 6.
Armee befehligt hatte, übernahm die Heeresgruppe.
Zwei Tage später flog Hitler nach Poltawa. Reichenau sagte ihm ins Gesicht, der Rückzug sei richtig gewesen. Sepp Dietrich, Befehlshaber der SS-Division im Abschnitt, sagte ihm dasselbe.
Hitler traf Rundstedt, entschuldigte sich, schlug dem Feldmarschall vor, Urlaub zu nehmen, und sagte, er werde seine Dienste wieder in Anspruch nehmen wollen. Er tat es.
Rundstedt kehrte im März 1942 als Oberbefehlshaber West zurück und hielt diesen Posten mit einer Unterbrechung bis März 1945. Der eine Punkt, der in dieser Geschichte meist ausgelassen wird, ist der medizinische. Rundstedt war starker Raucher und hatte im Oktober in Poltawa einen leichten Herzinfarkt erlitten.
Er war 65 Jahre alt und führte seit Juni eine Heeresgruppe über 700 Kilometer Front.
Bock kam als Nächster. Brauchitsch wurde am 19. Dezember als Oberbefehlshaber des Heeres entlassen, und Hitler übernahm den Posten selbst, was das Staatsoberhaupt, den Regierungschef, den Obersten Befehlshaber der Wehrmacht und den Oberbefehlshaber des Heeres in dieselbe Person legte.
Bock wurde am selben Tag abgelöst, offiziell aus medizinischen Gründen, und Kluge kam von der 4. Armee, um die Heeresgruppe Mitte zu übernehmen.
Leeb ging zuletzt, und sein Ende liest sich am schlechtesten gegen sein eigenes veröffentlichtes Werk. Vor Tichwin, an seinem östlichen Flügel, kam der sowjetische Gegenangriff Anfang Dezember, und in der Nacht des 7. befahl er, die Stadt aufzugeben.
Sie wurde am 9. geräumt, nach einem Monat in deutscher Hand. Durch den Rest jenes Monats und in den Januar hinein brach die Stellung um Demjansk auseinander.
Am 15. Januar 1942, als Hitler ihm die Erlaubnis verweigerte, seine Linie zu verkürzen, bat der Autor von „Die Abwehr“ entweder um Handlungsfreiheit oder um seine Ablösung. Hitler wählte die Ablösung.
Küchler übernahm die Heeresgruppe Nord am 17. Januar.
Halten Sie inne und betrachten Sie, was diese Abfolge tatsächlich ist, denn sie ist das Scharnier des ganzen Befunds. Die drei Männer, die die größte Invasion der Geschichte starteten, waren alle innerhalb von sieben Wochen aus dem Kommando. Rundstedt am 1.
Dezember, Bock am 19. Dezember, Leeb am 17. Januar.
Reichenau, der den ersten von ihnen ersetzt hatte, brach nach einem Lauf am 14. Januar zusammen und war innerhalb von Tagen tot.
Bock wurde am 18. Januar aus der Reserve geholt und erhielt die Heeresgruppe Süd. Keiner der drei wurde abgelöst, weil er eine Schlacht verloren hatte.
Rundstedt ging wegen eines Rückzugsbefehls, den sein eigener Nachfolger innerhalb eines Tages bestätigte. Bock ging aus medizinischen Gründen, wie die Bekanntmachung sagte. Leeb ging, weil er darum bat.
Drei verschiedene Mechanismen, ein Ergebnis.
Bock tat dann 1942 etwas, das seinen Namen hätte dauerhaft verankern müssen und es nicht tat. In der zweiten Maiwoche griff Timoschenko aus dem Brückenkopf von Isjum in Richtung Charkow an. Bocks Heeresgruppe ließ den Angriff laufen und schnitt ihn dann an der Basis ab, mit Kleist von Süden kommend und Paulus im Norden haltend.
Zwischen dem 12. und 28. Mai wurde die sowjetische Offensive vernichtet.
Rund 240. 000 Gefangene gegen deutsche Verluste von etwa 20. 000 Toten, Verwundeten und Vermissten.
Vom Wechselkurs her ist das die effizienteste deutsche Operation des gesamten Ostkriegs, und kaum ein allgemeines Publikum im englischsprachigen Raum verbindet sie mit dem Mann, der sie befehligte.
Er führte den Auftakt der Sommeroffensive 1942 ab dem 28. Juni. Die Heeresgruppe Süd wurde am 9.
Juli geteilt, und Bock behielt die nördliche Hälfte als Heeresgruppe B. Sechs Tage später, nach einem Streit mit Hitler darüber, wie lange man für die Säuberung von Woronesch brauchen dürfe, wurde er zum zweiten Mal abgelöst und durch Maximilian von Weichs ersetzt. Er war 61 Jahre alt.
Er erhielt nie wieder ein Kommando.
Hier ist der analytische Punkt, und er ist der Grund, warum dieser Befund existiert. Die Sortierung dieser drei Namen im westlichen Gedächtnis folgt keinem Maß dessen, was sie taten. Prüfen Sie es.
Nach Ergebnissen produzierte Rundstedts Hauptquartier die größte Einkesselung des Krieges und verlor dann die erste Stadt, die Deutschland zurückgeben musste.
Bocks Hauptquartier produzierte zwei der drei größten Gefangenenausbeuten der Militärgeschichte, kam bis in Artilleriereichweite des Ziels und scheiterte, und produzierte ein Jahr später den billigsten großen Sieg, den das deutsche Heer im Osten je errang. Leeb räumte die baltischen Staaten in elf Tagen und saß dann vier Monate vor einer Stadt, die er nicht einnehmen durfte.
Das sind drei verschiedene Arten von Ergebnis, und nach den Zahlen hat der Mann den stärksten Anspruch auf Erinnerung, den niemand nennt. Nach dem Rang sind sie identisch. Drei Feldmarschälle, befördert in derselben Zeremonie am selben Tag.
Nach der Dauer im Osten liegen sie innerhalb von sieben Wochen beieinander. Bei den verbrecherischen Befehlen erhielten alle drei dasselbe Papier und gaben alle drei es weiter.
Ich denke, die Sortierung geschah nach 1945 und hatte fast nichts mit dem Krieg zu tun. Und der Beleg dafür ist keine Meinung, sondern eine Bibliografie. Betrachten Sie, wozu jeder der drei zwischen 1945 und 1960 in der Lage war, genau in dem Fenster, in dem der westliche Bericht über die Ostfront geschrieben wurde.
Bock konnte nichts tun, weil Bock tot war. Am 3. Mai 1945 wurde auf der Straße bei Lensahn in Holstein das Auto, in dem er fuhr, von einem tieffliegenden Jagdflugzeug beschossen.
Seine Frau, seine Stieftochter und sein Fahrer wurden getötet. Er starb am nächsten Tag in einem Marinelazarett in Oldenburg in Holstein. Er ist der einzige deutsche Feldmarschall des Krieges, der direkt durch Feindeinwirkung getötet wurde.
Er schrieb keine Memoiren, gab kein bedeutendes Verhör, saß für kein Interview, und trug nichts zum amerikanischen historischen Programm bei, weil er im Boden lag, bevor irgendetwas davon begann. Was von ihm überlebt, ist das Tagebuch, und das Tagebuch überlebte durch einen Zufall der Verwahrung, nicht durch seine Wahl.
Leeb konnte sehr wenig tun, weil Leeb in Haft war. Er wurde im Mai 1945 gefangen genommen und festgehalten. Die Anklage in dem Verfahren, das die Amerikaner als United States of America gegen Wilhelm von Leeb und andere einreichten, erging am 28.
November 1947. Der Prozess lief vor dem Militärgerichtshof fünf vom 30. Dezember 1947 bis zum 28.
Oktober 1948.
Vierzehn Angeklagte, Johannes Blaskowitz tötete sich während des Verfahrens. Otto Schniewind und Hugo Sperrle wurden freigesprochen. Küchler erhielt 20 Jahre, Carl-Heinrich von Stülpnagel und Hans von Salmuth je 20, Hoth und Reinhardt je 15, Hermann Reinecke und Walter Warlimont lebenslänglich.
Leeb wurde in drei von vier Anklagepunkten freigesprochen und in einem verurteilt.
Verurteilt wegen der Weiterleitung des Barbarossa-Gerichtsbarkeitserlasses und wegen seiner Anwendung durch Einheiten unter seinem Befehl. Er wurde zu drei Jahren verurteilt. Er war bereits länger in Haft, so dass die Strafe am Tag ihrer Verkündung verbüßt war und er das Gebäude verließ.
Die Sprache des Gerichts ist es wert, genau festgehalten zu werden. Kein verbrecherischer Befehl sei in Beweis eingeführt worden, der seine Unterschrift oder den Stempel seiner Billigung trug.
Valerie Héberts „Hitler’s Generals on Trial“, 2010 von der University Press of Kansas veröffentlicht, ist die Standarddarstellung jenes Prozesses und davon, wie das Gericht zu diesem Befund gelangte. Dann ging er nach Bayern zurück und blieb dort. Er starb am 29.
April 1956 in Hohenschwangau. Seine Papiere gingen ins Archiv. Sie kamen zwanzig Jahre nach seinem Tod auf Deutsch aus einem wissenschaftlichen Verlag heraus, und dort endeten sie.
Rundstedt konnte sehr viel tun, und vieles davon wurde für ihn getan. Er wurde Anfang Mai 1945 von amerikanischen Truppen in Bad Tölz gefangen genommen und ging in britische Haft über, zuerst in Greysdale Hall und dann im Offizierslager in Bridgend in Südwales, wo er ein privates Wohnzimmer und Schlafzimmer erhielt.
Er erschien vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg als Zeuge, nicht als Angeklagter. Er war einer der ranghöchsten Offiziere, die ihre Namen unter die Denkschrift setzten, die jenem Gerichtshof zur Verteidigung des Generalstabs und des Oberkommandos als Institution vorgelegt wurde, das Gründungsdokument der ganzen Nachkriegsargumentation.
Unter sowjetischem Druck beschloss das britische Kabinett im Juli 1948, Anklage zu erheben. Rundstedt wurde zusammen mit Brauchitsch, Manstein und Strauß nach Münsterlager verlegt. Brauchitsch starb im Oktober jenes Jahres.
Rundstedt und Strauß wurden 1949 aus medizinischen Gründen freigelassen. Nur Manstein wurde vom 23. August bis 19.
Dezember 1949 in Hamburg vor Gericht gestellt, in neun von 17 Anklagepunkten verurteilt und zu 18 Jahren verurteilt.
Rundstedt wurde also nie vor Gericht gestellt, nie verurteilt und war ab 1949 frei. Er starb am 24. Februar 1953 in Hannover.
Das gab ihm vier Jahre Freiheit, in denen er der ranghöchste überlebende deutsche Befehlshaber des westlichen Kriegsschauplatzes war, genau in dem Moment, als amerikanische und britische Verlage einen suchten. Und er hatte Blumentritt.
Das Buch erschien 1952 auf Englisch, als sein Gegenstand noch lebte, um es zu lesen. Es gibt einen zweiten Mechanismus, größer als jedes einzelne Buch. Nach 1945 beschäftigte die United States Army ehemalige deutsche Offiziere, um die Operationsgeschichte der Ostfront zu schreiben.
Und der Mann, der die deutsche Seite dieses Programms leitete, war Halder.
Die Halder-Gruppe produzierte mehr als 2. 500 größere Manuskripte von mehr als 700 deutschen Autoren. Halder leitete eine Kontrollgruppe vertrauenswürdiger ehemaliger Offiziere, die Einsendungen prüfte und zur Änderung zurückschickte.
Diese Studien wurden für eine Generation zum Rohmaterial des westlichen Verständnisses des Feldzugs.
Und sie wurden von Männern geschrieben, bei denen es um Ruf, Pensionen und in mehreren Fällen um anhängige Verfahren ging. 1961 erhielt Halder den Meritorious Civilian Service Award der Regierung der Vereinigten Staaten, was ihn zum einzigen Deutschen macht, der sowohl von Hitler als auch von einem amerikanischen Präsidenten ausgezeichnet wurde. Blumentritt arbeitete in jenem Programm.
So taten es viele andere.
Bock war tot, Leeb saß in einer Zelle, und keiner von beiden hatte damit etwas zu tun. Rechnen Sie die Memoiren dazu. Guderians Buch, Mansteins Buch, Friedrich von Mellenthins „Panzer Battles“, das noch Mitte der siebziger Jahre sechs englische Auflagen erlebte.
Hans-Ulrich Rudels Bericht über seinen eigenen Krieg überschritt eine Million Exemplare.
Jeder dieser Autoren hatte eine Version des Feldzugs zu verkaufen und einen Grund, sie zu verkaufen. Und die drei Männer, die 1941 die Heeresgruppen führten, sind in allen von ihnen Nebenfiguren, wenn sie überhaupt erscheinen. Die Korrektur dauerte Jahrzehnte und geschah zuerst auf Deutsch.
Manfred Messerschmidt über das Heer im NS-Staat 1969. Christian Streit über die sowjetischen Kriegsgefangenen 1978. Helmut Krausnick und Hans-Heinrich Wilhelm über die Einsatzgruppen und den Umgang des Heeres mit ihnen 1981.
Dann die Hamburger Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht, die 1995 eröffnete und durch 33 deutsche und österreichische Städte wanderte und eine öffentliche Auseinandersetzung auslöste, die jahrelang lief.
Fast nichts davon erreichte englischsprachige allgemeine Leser in irgendwie vergleichbarem Umfang wie die Memoiren, die es korrigierte. Das letzte Stück ist die Normandie. Rundstedt war am 6.
Juni 1944 Oberbefehlshaber West. Das brachte ihn in jeden amerikanischen und britischen Bericht über die Invasion, in die Wochenschauen, in die Operationsstudien und schließlich in die Filme.
Leeb und Bock erscheinen in keiner Erzählung des westlichen Kriegsschauplatzes, weil nach Mitte 1942 keiner von beiden irgendwo ein Kommando hielt. Es gibt noch etwas über das Papier selbst zu sagen, denn es schneidet in die andere Richtung und ist der Grund, warum all dies überhaupt überprüfbar ist.
Die Akten des deutschen Heeres wurden vollständig erbeutet. Sie wurden in die Vereinigten Staaten verschifft, katalogisiert, Rolle für Rolle verfilmt und in den fünfziger und sechziger Jahren an die Bundesrepublik zurückgegeben. Die Heeresgruppenakten gingen in ihre eigene Mikrofilmreihe über, die die amerikanischen Archive unter der Bezeichnung T311 katalogisieren.
Alles, was in einem Heeresgruppenhauptquartier 1941 entstand, die hinausgehenden Befehle, die eingehenden Lagemeldungen, die Verteilerlisten, die Korrespondenz des rückwärtigen Gebiets, liegt in jener Reihe in der Reihenfolge, in der es abgelegt wurde. Das heißt, das Rohmaterial für alle drei Männer ist seit mehr als 60 Jahren öffentlich zugänglich und gleich zugänglich.
Niemand hat Leeb versteckt. Niemand hat Bock begraben. Die Beweise standen in denselben Regalen für jeden, der suchte.
Was sich unterschied, war, wer die Bücher schrieb, die die meisten Leser tatsächlich lasen, in welcher Sprache und wie früh. Die Erinnerung folgt dem Papier. Das Papier folgte dem, wer lebte, wer beschäftigbar war und über wen auf Englisch geschrieben wurde
Einige Zahlen, die ins Protokoll gehören und noch nicht genannt wurden. Deutsche Verluste im Osten vom 22. Juni bis Ende 1941 betrugen nach den eigenen Sanitätsmeldungen des Heeres 186.
452 Tote, 40. 157 Vermisste und 655. 179 Verwundete.
2. 735 Panzer abgeschrieben. 2.
827 Flugzeuge.
Auf der anderen Seite ergeben sowjetische Meldungen für 1941 566. 852 Gefallene und 2. 335.
482 Vermisste oder Gefangene bei Gesamtverlusten der Streitkräfte von etwa viereinhalb Millionen. Kleists Panzergruppe wurde am 6. Oktober in Erste Panzerarmee umbenannt, noch unter Kleist.
Das war eine Aufwertung der Formation und nicht ihrer Stärke.
Die Heeresgruppe Mitte wird am 1. Oktober, zum Auftakt von Taifun, je nach Zählung auf zwischen 1,18 und 1,93 Millionen Mann geschätzt, je nachdem, ob rückwärtige Dienste mitgezählt werden. Das ist eine Spanne von einer Dreiviertelmillion Mann bei einer Formation an einem Tag und eine faire Warnung, wie weich selbst die deutschen Zahlen oberhalb der Divisionsebene sind.
Der Reichenau-Erlass ist auf den 10. Oktober 1941 datiert. Sein Titel lautet „Das Verhalten der Truppe im Ostraum“.
Er sagte den Soldaten, sie seien nicht bloß Kämpfer nach den Regeln des Krieges, sondern Träger einer rassischen Idee, und verlangte Verständnis für das, was er die von Juden zu fordernde Sühne nannte.
Hitler las ihn, nannte ihn hervorragend und wies an, ihn als Muster für die anderen Befehlshaber zu verteilen. Rundstedt war Reichenaus Vorgesetzter, als er geschrieben wurde. Er gab ihn durch die Heeresgruppe Süd weiter, zusammen mit eigenen Versionen, wie im Band „Verbrechen der Wehrmacht“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung von 1999 dargelegt.
Zweieinhalb Wochen zuvor, am 24. September, hatte dasselbe Hauptquartier einen Befehl erlassen, der Soldaten verbot, eigenmächtig gegen Juden vorzugehen und die Arbeit der Sonderkommandos zu fotografieren. Beide Befehle kamen innerhalb von drei Wochen aus demselben Gebäude.
Beide sind in der Akte, und beide gehören hinein.
Einsatzgruppe C und Einsatzgruppe D operierten im Bereich der Heeresgruppe Süd. Bis Dezember 1941 hatten diese beiden Gruppen zwischen 100. 000 und 150.
000 Menschen getötet. Am 29. und 30.
September 1941 wurden in der Schlucht von Babi Jar bei Kiew 33. 771 Juden in zwei Tagen erschossen. Eine Zahl aus dem eigenen Operationsbericht der Täter.
Offiziere von Reichenaus 6. Armee beteiligten sich an der Organisation, Tage nachdem die Armee die Stadt genommen hatte. Im Bereich der Heeresgruppe Nord war die entsprechende Formation die Einsatzgruppe A unter Franz Walter Stahlecker.
Ihr umfassender Bericht über die Operationen bis zum 15. Oktober 1941 ging in Nürnberg in Beweis. Er verzeichnet die Zusammenarbeit des Heeres im Baltikum in anerkennenden Worten.
Leeb wusste es. Franz von Roques, Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebiets, unterrichtete ihn Ende Juni und Anfang Juli 1941 über die Tötungen. Leebs eigenes Tagebuch hält fest, was er aus dem Gespräch mitnahm: dass es das Richtige sei, Abstand zu wahren, und dass die beiden übereingekommen seien, die Sterilisierung jüdischer Männer könne der humanere Weg sein.
Jener Eintrag steht in der Meyer-Ausgabe. Er ist der Grund, warum die Meyer-Ausgabe zählt. Der Hungertod der Städte war keine Folge der Kämpfe.
Er wurde im Voraus in Berlin entschieden, auf einer Besprechung der Staatssekretäre am 2. Mai 1941, sieben Wochen bevor die Grenze überschritten wurde.
Das Protokoll jener Besprechung stellt unverblümt fest, dass der Krieg nur fortgesetzt werden könne, wenn die ganze Wehrmacht im dritten Jahr aus Russland ernährt werde, und dass viele Millionen Menschen verhungern würden, wenn das Nötige aus dem Land genommen werde. Jenes Papier steht in der Nürnberger Dokumentenserie. Es ist das Gründungsdokument der Ernährungspolitik, die jede Heeresgruppe dann als Sache der Versorgungsverwaltung vollstreckte.
Leningrad hatte sein eigenes Papier. Eine Denkschrift innerhalb des Stabes der Seekriegsleitung vom 22. September 1941 legte dar, dass kein Interesse bestehe, auch nur einen Teil der Bevölkerung des noch so genannten Petersburg zu erhalten, dass die Stadt abzuriegeln und durch Feuer und Hunger zu zermürben sei und dass jedes Kapitulationsangebot abzulehnen sei.
Zwei Wochen später wurde die Anweisung wiederholt. Leebs Heeresgruppe schrieb diese Dokumente nicht. Sie führte sie vier Monate lang aus und übergab dann den Ring unversehrt an Küchler.
Auch in die stehende Vergeltungspolitik waren Zahlen eingeschrieben. Keitels Erlass vom 16. September 1941 über die kommunistische Aufstandsbewegung in den besetzten Gebieten legte eine Sühnequote für die Tötung eines deutschen Soldaten von bis zu 100 kommunistischen Leben fest.
Mit einer Untergrenze von der Hälfte dieser Zahl. Und er wies an, dass die Hinrichtungsmethode die abschreckende Wirkung erhöhen solle. Das ist keine Feldimprovisation eines jungen Offiziers.
Das ist eine arithmetische Anweisung, ausgegeben von der Spitze des Oberkommandos der Wehrmacht und nach unten weitergeleitet über genau dieselben Laufzettel wie die Treibstoffzuweisungen.
Hinter jeder Heeresgruppe lief ein Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebiets mit Sicherungsdivisionen auf seinem Etat. Neun von ihnen über die ganze Ostfront in der ursprünglichen Gliederung. Und diese Formationen existierten, um bereits genommenes Gelände zu halten.
Die Gefangenenzahlen, die die Einkesselungen erbrachten, gingen in ihre Obhut über.
Von den rund sechs Millionen sowjetischen Soldaten, die Deutschland über den Krieg gefangen nahm, starben etwa drei Millionen in deutscher Hand, und der größere Teil dieses Sterbens geschah früh. Von den mehr als drei Millionen, die 1941 genommen wurden, waren zwei Drittel bis in die ersten Wochen des Jahres 1942 an Hunger, Kälte und Krankheit tot.
Mit einer Rate von 300. 000 bis 500. 000 pro Monat durch jenen ersten Winter.
Die meisten von ihnen starben in der Obhut des Heeres, nicht der SS. Christian Streits „Keine Kameraden“, 1978 erschienen, war die Studie, die das feststellte. Christian Hartmann und Dieter Pohl haben die Zahlen seither überarbeitet, ohne sie wesentlich zu verschieben.
Auch die Heeresgruppe Süd lebte nach stehender Politik vom Land. Vieh, Getreide und Milchprodukte wurden in Mengen requiriert. Es gab nicht den Transport, um das meiste nach Westen zu schaffen, also wurde es vor Ort verbraucht und der Bevölkerung entzogen.
Massenhafter Hungertod folgte in Kiew und in Charkow. Stephen Fritz legt das in „Ostkrieg“ dar, 2011 von der University Press of Kentucky veröffentlicht.
Zwei letzte Punkte aus der Akte. Hitler bezahlte seine ranghöchsten Offiziere, und Norman Godas Studie über diese Praxis, 2005 unter dem Titel „Black Marks“ erschienen, arbeitet den Mechanismus durch. Leeb, ab Januar 1942 ohne Verwendung, erhielt ein Geschenk von Hitler, und das daraus hervorgegangene Gut in Seestetten wurde auf rund 660.
000 Reichsmark geschätzt.
Diese Zahl erreicht uns über Goda, und ich habe sie nicht unabhängig bestätigt gesehen. Und im August 1944 übernahm Rundstedt den Vorsitz des Ehrenhofs, der Offiziere, die in den Putsch vom 20. Juli verwickelt waren, aus der Wehrmacht ausschloss, was sie der Militärgerichtsbarkeit entzog und dem Volksgerichtshof überantwortete.
Nun zu den Dokumenten selbst und dazu, welches von ihnen Gewicht halten wird. Bocks Tagebuch ist die verlässlichste der drei persönlichen Aufzeichnungen, und zwar aus einem bestimmten Grund: Es wurde im Lauf des Feldzugs diktiert, und sein Autor starb, bevor er irgendeine Gelegenheit hatte, es gegen einen Gerichtssaal oder einen Verlag zu überarbeiten.
Jeder andere ranghohe deutsche Bericht über 1941, der englische Leser erreichte, wurde von einem Mann geschrieben, der bereits wusste, wessen er beschuldigt wurde. Bock wusste es nicht. Das macht es nicht wahr.
Ein Kriegstagebuch ist die Verteidigungsrede eines Befehlshabers für seine eigenen Entscheidungen, täglich geschrieben. Und Bock ist schwer an Klagen über seine Vorgesetzten und leicht an eigenen Fehlern.
Aber es ist von 1946 unberührt, und fast nichts anderes im englischsprachigen Korpus kann das von sich sagen. Leeb ist der umgekehrte Fall und ebenso nützlich. Er schrieb es für sich.
Er wurde auf der Grundlage von Dokumenten vor Gericht gestellt, die es nicht waren. Und die Ausgabe wurde von einem Wissenschaftler in der deutschen militärhistorischen Tradition mit Apparat vorbereitet.
Ich denke, die folgenreichste Lücke im englischsprachigen Bericht über die Ostfront ist, dass dieses Buch nie übersetzt wurde, weil es der einzige Ort ist, an dem ein Leser beobachten kann, wie ein Heeresgruppenbefehlshaber Informationen über Massentötungen in seinem eigenen rückwärtigen Gebiet erhält und dann niederschreibt, was er dagegen zu tun beschloss.
Rundstedt ist der schwierigste der drei, weil er am wenigsten hinterließ. Was ihm zugeschrieben wird, kommt meist über andere Männer. Blumentritts Buch ist das Porträt eines Stabschefs von seinem eigenen Befehlshaber, veröffentlicht für ein englisches Publikum, als beide lebten, und es sollte als Anwaltsplädoyer gelesen werden, nicht als Beweis.
Rundstedts eigene Worte überlebten hauptsächlich in Aussagen unter Warnung. In Nürnberg erklärte er, die Haltung des Heeres zum Kommissarbefehl sei einmütig und absolut dagegen gewesen, und der Befehl sei einfach nicht ausgeführt worden. Das wird durch die Befolgungslage in den Ostarmeen widerlegt.
Die Behauptung und die Gegenbeweise sind beide aktenkundig.
Es gibt hier eine allgemeine Regel, die es wert ist, beherzigt zu werden. Wenn eine Memoire und ein zeitgenössisches Dokument einander widersprechen, nimm das Dokument. Und wenn zwei Dokumente einander widersprechen, frage, wer zählt und wofür er zählte.
Deshalb werden die Gefangenenzahlen in diesem Bericht überall dort zweimal genannt, wo die beiden Seiten voneinander abweichen.
Die sauberste Demonstration dieser Regel ist keiner dieser drei Männer. Es ist Halder. Sein Kriegstagebuch wurde in Deutschland in drei Bänden Anfang der sechziger Jahre veröffentlicht, herausgegeben von Hans-Adolf Jacobsen, und es ist die unverzichtbare tägliche Quelle dafür, was das Oberkommando des Heeres 1941 zu tun glaubte.
Stellen Sie dieses Buch neben die Studien, die Halder in denselben Jahren für die Amerikaner beaufsichtigte, und die beiden Texte beschreiben dieselben Ereignisse aus demselben Kopf, mit einem Jahrzehnt und einem Wechsel des Publikums dazwischen. Das Tagebuch ist offen über Absichten, die die Studien nicht erwähnen.
Ich denke, diese Gegenüberstellung ist das Lehrreichste, was ein interessierter Leser mit einem Nachmittag anfangen kann, weil sie die Argumentation ganz aus den Persönlichkeiten herausnimmt. Es ist derselbe Mann, und der Unterschied ist, wer es lesen wird. Wenden Sie das auf unsere drei an.
Bock hat ein Tagebuch und sonst nichts, das ist die Kriegsstimme ohne eine spätere.
Leeb hat ein Tagebuch, das als Geschichte veröffentlicht wurde, nicht als Anwaltsplädoyer. Rundstedt hat gar kein Tagebuch und alles andere, das heißt nur spätere Stimmen, seine eigene unter Warnung und Blumentritts unter Vertrag. Bleibt die Korrektur.
Hürters Kollektivstudie ist das Werk, das die Auseinandersetzung schloss.
Denn indem er 25 Befehlshaber auf einmal nahm, konnte er zeigen, dass das Verhalten eines jeden von ihnen nicht persönlich war. Geoffrey Megargees „War of Annihilation“, 2006 erschienen, leistet dasselbe für eine englische Leserschaft in viel kürzerer Länge, und sein „Inside Hitler’s High Command“ von 2000 erklärt die Befehlmaschinerie, die drei Heeresgruppen einer Struktur verantwortlich machte, die keine Mittel hatte, zwischen ihnen zu wählen.
David Stahels Bände über Barbarossa, über Kiew, über Taifun und über Moskau arbeiten die operative Seite aus den deutschen Einheitsakten heraus statt aus den Büchern der Generäle. Was die Akte enthält, ist dies: Drei Feldmarschälle desselben Ranges, am selben Tag befördert, führten am 22. Juni 1941 drei Heeresgruppen über die sowjetische Grenze.
Zwischen ihnen nahmen sie in sechs Monaten mehr Gefangene als jede vergleichbare Streitmacht der Geschichte. Alle drei erhielten den Gerichtsbarkeitserlass und den Kommissarbefehl und gaben sie weiter. Einer von ihnen leitete den Befehl eines Untergebenen über das Verhalten der Truppe mit seiner Zustimmung darübergeschrieben weiter.
Einer von ihnen hielt in seinem Tagebuch fest, was ihm über die Tötungen hinter seiner eigenen Front gesagt worden war und was er dagegen zu tun beschlossen hatte. Einer von ihnen protestierte beim Oberkommando des Heeres und führte dann aus, wogegen er protestiert hatte. Alle drei wurden innerhalb von sieben Wochen voneinander ihres Kommandos enthoben.
Nur einer von ihnen befehligte je wieder, und er tat es im Westen, wo die Amerikaner und die Briten ihn sehen konnten. Nach dem Krieg war einer tot, einer verurteilt und am selben Tag auf verbüßte Zeit freigelassen, und einer angeklagt, nie vor Gericht gestellt und aus medizinischen Gründen freigelassen. Das Tagebuch des Toten wurde übersetzt.
Das Tagebuch des Verurteilten nicht. Der Mann, der gar kein Tagebuch hinterließ, bekam zwei Bücher. Das ist es, was die Akte zeigt.
