Er war der einzige amerikanische General des Zweiten Weltkriegs, der vier Kampfsprünge absolvierte – und jedes Mal als Erster aus der Flugzeugtür sprang. Sein Name: James M. Gavin.
Doch während die Nachwelt Bastogne und die „Band of Brothers” der 101. Luftlandedivision feiert, ist der Mann, der die Luftlandekriegsführung der US-Armee überhaupt erst erfand, nahezu in Vergessenheit geraten.
Gavin wurde am 22. März 1907 in Brooklyn geboren. Seine Geburtsurkunde trug den Namen James Nally Ryan – der zweite Vorname durchgestrichen.
Seine Mutter, vermutlich die irische Einwanderin Catherine Ryan, gab ihn vor seinem zweiten Geburtstag weg. 1909 lebte er im Waisenhaus der Barmherzigen Schwestern in Brooklyn. Ein Baby ohne Namen, den jemand behalten wollte.
Im selben Jahr adoptierte ihn das Ehepaar Martin und Mary Gavin in Mount Carmel, Pennsylvania, mitten im Anthrazitkohlerevier. Martin Gavin war Bergmann und konnte kaum lesen und schreiben. Gavin sagte später diplomatisch, seine Eltern seien „gute Menschen” gewesen, die „kaum lesen und schreiben konnten”.
Über sie im Detail sprach er nie. Er kehrte nie zurück.
Mit zehn Jahren trug Gavin Zeitungen aus. Mit elf hatte er zwei Routen und war Vertreter für drei auswärtige Blätter. Er verschlang die Schlagzeilen des Ersten Weltkriegs, die er austrug.
Er wurde besessen vom Amerikanischen Bürgerkrieg – davon, wie Befehlshaber die Bewegungen Tausender Männer über weite Distanzen steuern konnten.
Die Schule verließ er nach der achten Klasse. Er arbeitete Vollzeit, erst als Schuhverkäufer für 12,50 Dollar die Woche. Er fürchtete genau eine Zukunft: Bergmann zu werden wie sein Vater, unter die Erde zu gehen und dort zu bleiben, bis die Mine ihn holte.
An seinem 17. Geburtstag, dem 22. März 1924, brannte Gavin von zu Hause durch.
Er nahm den Nachtzug nach New York City. Seine erste Handlung: ein Telegramm an seine Adoptiveltern, dass er lebe. Am Rekrutierungsbüro war er minderjährig und brauchte die Zustimmung der Eltern.
Seine Lösung war typisch direkt – er sagte dem Rekruten, er sei Waise.
Der Rekrut sammelte die minderjährigen Waisenjungen ein, brachte sie zu einem Anwalt, der sich zu ihrem gesetzlichen Vormund erklärte und die Papiere unterschrieb. Am 1. April 1924 hob James Gavin im Whitehall Building in Manhattan die rechte Hand und wurde einfacher Soldat der United States Army.
Er kam nach Fort Sherman in der Panamakanalzone, zu einer 155-mm-Küstenartillerie-Batterie. Ein First Sergeant namens Chief Williams, ein Native American, erkannte sein Potenzial und machte Gavin zu seinem Assistenten. Auf Williams’ Rat bewarb sich Gavin an der Army-Vorbereitungsschule in Corozal.
Ein Leutnant namens Percy Black unterrichtete ihn in Algebra, Geometrie, Englisch und Geschichte – Fächer, die er nie richtig gelernt hatte. Gavin bestand die Aufnahmeprüfung für West Point und traf im Sommer 1925 an der Akademie ein, nur 14 Monate nach seiner Einberufung. In seiner Bewerbung gab er sich als 21 aus, um seine minderjährige Einberufung zu verbergen.
Er schloss 1929 als 185. von 299 Kadetten ab – ein Mittelfeldplatz, der außerordentliche Anstrengung verbirgt. Er stand jeden Morgen um 4:30 Uhr auf, um im Badezimmer zu lernen, dem einzigen Raum mit genug Licht.
So glich er Jahre verpasster Schulbildung aus.
Am 12. Juni 1929 wurde er zum Leutnant der Infanterie ernannt. Drei Monate später heiratete er Irma Baulser.
Was folgte, hätte in einer normalen Offizierslaufbahn 20 Jahre gedauert. Gavin komprimierte es in zwölf.
An der Infanterieschule in Fort Benning lernte er unter George Marshall und Joseph Stilwell. Stilwell lehrte ihn einen Grundsatz, den er nie aufgab: Alles, was du von den Truppen verlangst, musst du selbst tun können. Unter Lesley McNair in Fort Sill verschlang er die Schriften von J.
F. C. Fuller über Panzer, Luftmacht und Mobilität.
Auf den Philippinen erschrak er über die amerikanische Unvorbereitetheit. Er schrieb, ihre Waffen und Ausrüstung seien nicht besser als im Ersten Weltkrieg. Der wirkliche Wendepunkt kam 1939, als er der Taktikfakultät in West Point zugeteilt und mit der Analyse des deutschen Blitzkriegs beauftragt wurde.
Er studierte die deutschen Fallschirmjäger bei Eben Emael, in Norwegen und auf Kreta. Er verschlang alles über sowjetische Fallschirmexperimente der 1930er Jahre. Er wurde überzeugt, dass Luftlandetruppen kombiniert mit taktischer Mobilität die Zukunft der Kriegsführung seien – nicht nur Männer vom Himmel abzuwerfen, sondern neu zu denken, wie Armeen sie nach der Landung einsetzten.
Im August 1941 meldete sich Gavin freiwillig zur Fallschirmschule in Fort Benning. Er war 34 Jahre alt. Die meisten Offiziere seines Alters angeln nach sicheren Stabsposten, während die Armee auf eine Million Mann anwuchs.
Gavin wollte aus Flugzeugen springen.
Er absolvierte den dreiwöchigen Kurs, machte seine fünf Qualifikationssprünge und übernahm sofort das Kommando über die C Company im 503. Fallschirminfanteriebataillon. Es gab damals weniger als 5.
000 Fallschirmjäger in der gesamten US-Armee. Das Konzept galt bei der Führung noch als experimentell.
Viele Generäle argumentierten offen, Luftlandeoperationen seien Ressourcenverschwendung. Die Deutschen hätten auf Kreta bewiesen, dass Fallschirmjäger in der Absprungphase katastrophale Verluste erlitten und nie genug schwere Waffen tragen könnten, um konventionelle Panzer am Boden zu bekämpfen.
Gavin widersprach. Und er hatte Kreta sorgfältiger studiert als die Skeptiker. Er glaubte, das Problem sei nicht das Konzept, sondern die Ausführung.
Die Deutschen hätten ihre Männer stückweise ohne Koordination in vorbereitete Verteidigungen abgeworfen.
Wenn man eine konzentrierte Streitmacht nachts hinter feindlichen Linien an Schlüsselgelände abwarf, mit klaren Zielen und aggressiver Führung am Boden, könne man das Hinterland des Feindes lähmen, während konventionelle Kräfte von vorn zuschlugen. Der Schlüssel war Geschwindigkeit und Härte.
Oberst William C. Lee, bekannt als der Vater der Luftlandetruppen, erkannte einen Gleichgesinnten. Er machte Gavin zu seinem Operations- und Ausbildungsstabsoffizier.
Am 16. Oktober 1941 wurde Gavin im Alter von 34 Jahren zum Major befördert.
Und dann tat Gavin etwas, das sein weiteres Leben definierte. Er schrieb die Feldvorschrift FM 31-30, „Taktik und Technik der Luftlandetruppen” – das erste Feldhandbuch der US-Armee über Luftlandekriegsführung. Er fasste sowjetische Absprungexperimente, deutsche Kampferfahrungen und sein eigenes taktisches Denken zusammen.
Auf die Frage, was seine Karriere so schnell vorangebracht habe, antwortete er schlicht: „Ich habe das Buch geschrieben.” Dieser Umstand ist bedeutsamer, als die meisten erkennen. Viele Offiziere meldeten sich freiwillig zu den Luftlandetruppen.
Viele waren tapfer. Gavin war anders, weil er Denker und Kämpfer zugleich war.
Das 505. Fallschirminfanterieregiment wurde am 6. Juli 1942 in Fort Benning aktiviert.
Gavin übernahm im August im Alter von 35 Jahren das Kommando. Im September wurde er zum Oberst befördert, und er baute das Regiment aus dem Nichts auf.
Seine Regeln waren absolut und nicht verhandelbar. Offiziere verlassen als Erste die Flugzeugtür und stehen als Letzte in der Essensschlange. Offiziere trugen das M1 Garand, die Standardwaffe der Mannschaften, nicht den leichteren M1 Karabiner, der Offizieren sonst ausgegeben wurde.
Die Symbolik war beabsichtigt. Wer Fallschirmjäger befehligt, ist ein Fallschirmjäger. Seine abschließende Ausbildungsprüfung war ein 50-Meilen-Gewaltmarsch in 36 Stunden – die ganze Nacht marschieren, den ganzen Tag manövrieren, einen Luftlandekopf nehmen und halten, eine Stunde schlafen, dann den Marsch fortsetzen.
Stabschef Doc Eaton beschrieb das Ergebnis: „Sie waren großartig. Jeder Mann eine Kopie des Kommandeurs, Gavin. Zäh.”
Nicht nur im Feld, sondern 24 Stunden am Tag. Im Ausgang zogen sie in kleinen Gruppen in eine Bar, und wenn nicht alle dort vor Bewunderung auf die Knie fielen, zertrümmerten sie einfach den Laden.
Der Luftlandedienst war völlig freiwillig. Fallschirmjäger erhielten Gefahrenzulage: 50 Dollar monatlich extra für Mannschaften, 100 für Offiziere. Die Segelflugtruppen, die argumentierbar in größerer Gefahr waren, weil sie ohne Fallschirme in Holzflugzeugen Bruchlandungen erlitten, bekamen nichts extra.
Die dreiwöchige Sprungschule in Fort Benning bestand aus Bodenwoche, Turmwoche mit den berühmten 250-Fuß-Freitürmen von der Weltausstellung 1939 und Sprungwoche mit fünf Qualifikationssprüngen aus C-47 bei 1. 200 Fuß. Die körperlichen Anforderungen waren extrem.
Die Truppen mussten wachsam, aktiv und gelenkig sein, mit festen Muskeln und gesunden Gliedmaßen. Die Auswahl war auf brutalste Weise selbstselektierend. Wer nicht mithielt, flog raus – bei Gewaltmärschen, Hindernisbahnen, Nahkampf, Messerkampf und Nachtoperationen.
Ausbildungsverluste waren real. Übungssprünge auf hartem Boden verursachten häufig Bein- und Knöchelbrüche. Als das 504.
Fallschirminfanterieregiment 1943 in Nordafrika bei 30 Meilen pro Stunde Wind einen Übungssprung machte, landeten fast 30 Prozent des Regiments im Krankenhaus.
Das 505. stieß im Februar 1943 in Fort Bragg zur 82. Luftlandedivision.
Sie verließen den Hafen von New York am 29. April und erreichten Casablanca am 10. Mai.
Zwei Monate später sollte das 505. den ersten regimentsgroßen Kampf-Fallschirmangriff der amerikanischen Militärgeschichte durchführen.
Und damit kommen wir nach Sizilien, wo alles, was Gavin aufgebaut hatte, zum ersten Mal auf die Probe gestellt wurde. In der Nacht des 9. Juli 1943 führte Oberst Gavin, 36 Jahre alt, das Fallschirm-Regimentskampfteam 505 mit 3.
400 Mann an Bord von 226 C-47-Transportern nach Südostsizilien – Operation Husky.
Ihr Auftrag: strategische Kreuzungen hinter den feindlichen Linien nördlich von Gela zu besetzen und den Zugang von Verstärkungen zu den Invasionsstränden zu blockieren. Der Absprung wurde zur Katastrophe. Winde von 35 Meilen pro Stunde, mehr als das Doppelte des sicheren Ausbildungslimits, kombiniert mit unerfahrenen Transporterpiloten.
Die Fallschirmjäger wurden über 60 Meilen Südostsiziliens verstreut. Einige Männer landeten 25 Meilen von der geplanten Absprungzone entfernt. Andere kamen im Meer nieder und ertranken.
Gavin selbst konnte nicht feststellen, ob er in Sizilien, Italien oder auf dem Balkan gelandet war, bis er fernes Artilleriefeuer entdeckte.
Er sammelte eine erste Gruppe von weniger als 20 Männern und tat, was er für den Rest des Krieges tun würde: Er marschierte auf den Klang der Waffen zu. Doch die Deutschen verstanden etwas nicht. Trotz des Chaos – und wahrscheinlich deswegen – waren kleine Fallschirmjägergruppen hinter den feindlichen Linien so effektiv, dass deutsche Befehlshaber die Luftlandestreitmacht auf das Zehnfache ihrer tatsächlichen Stärke schätzten.
3. 400 verstreute Fallschirmjäger wurden für eine Streitmacht von 30. 000 gehalten.
Die nächste Nacht brachte den bis dahin schlimmsten Eigenbeschuss-Vorfall der amerikanischen Militärgeschichte. 144 C-47 mit Oberst Reuben Tuckers 504. Fallschirminfanterieregiment flogen über den Brückenkopf.

Ein nervöser Schütze auf einem Marineschiff, nie identifiziert, eröffnete das Feuer auf die Formation. Innerhalb von Sekunden breitete sich die Panik aus. Praktisch jedes alliierte Marineschiff und jede Bodeneinheit entlang der Küste schoss auf die eigenen Transporter.
23 C-47 wurden abgeschossen, 37 weitere schwer beschädigt.
Die Bilanz: 318 Tote, Verwundete und Vermisste, darunter 81 gefallene und 132 verwundete Fallschirmjäger allein vom 504. Brigadegeneral Charles Keerans Jr. , stellvertretender Divisionskommandeur der 82.
, war an Bord einer im Meer verlorenen Maschine und wurde nie gefunden.
Tuckers eigene Maschine flog die sizilianische Küste zweimal entlang mit mehr als 2. 000 Einschusslöchern im Rumpf. Am Morgen hatten nur 400 der 1.
600 Fallschirmjäger des 504. das Zielgebiet erreicht. Diese Katastrophe führte direkt zu den bemalten Invasionsstreifen auf alliierten Flugzeugen am D-Day.
Und dann wurde es schlimmer – oder vielmehr intensiv persönlich für Gavin. Am 11. Juli 1943 stand er vor seiner ersten wirklichen Prüfung als Kampfführer: Biazza Ridge.
Diese Aktion begründete seinen Ruf, und sie ist der vielleicht wichtigste Moment seiner gesamten Laufbahn.
Biazza Ridge war eine strategische Anhöhe von 100 Fuß, die die Straße zwischen deutschen Panzerkonzentrationen und den verwundbaren Brückenköpfen der 1. und 45. Infanteriedivision bei Gela überblickte.
Hielten die Deutschen sie, hatten ihre Panzer einen freien Weg, die Invasion ins Meer zurückzudrängen.
Gavin traf mit einem Zug Pioniere des 307. ein und griff den Höhenrücken an. Im Laufe des Tages sammelte er eine zusammengewürfelte Truppe aus gemischten Einheiten – Registerschreiber, Köche, Lastwagenfahrer, Funker, jeden, der eine Waffe tragen konnte.
Schließlich mehrere hundert Mann.
Sie standen der gesamten östlichen Kampfgruppe der Panzerdivision Hermann Göring gegenüber. Mindestens 700 Luftwaffen-Infanteristen, ein gepanzertes Artilleriebataillon und eine Kompanie von 17 Tiger-I-Schwerpanzern, jeder mit einer 88-mm-Kanone bestückt. Gavin hatte keine Panzer, keine Panzerjäger, keine Artillerieunterstützung und keine Verbindung zum Brückenkopf.
Seine Männer erbeuteten zwei 75-mm-Gebirgshaubitzen und setzten sie als Direktfeuer-Panzerabwehrwaffen ein, zielend auf die verwundbaren Unterseiten der Tiger, wenn diese sich beim Überqueren einer Steinmauer aufbäumten. Ein Tiger wurde so ausgeschaltet. Sein Befehl an seine Männer war einfach und absolut.
„Wir bleiben auf diesem verdammten Höhenrücken, egal was passiert.” Später verglich er die Situation innerlich mit Grant bei Shiloh, der unter dem Flussufer Schutz suchte, sein Kommando überrannt, und sich weigerte, das Feld zu verlassen. Ein Fallschirmjäger namens Harold Eatman fand Gavin in einem flachen Loch im Schiefer vor der gesamten Stellung.
Als Eatman nach Wasser keuchte, bot Gavin ihm seine eigene Feldflasche an: „Hier, Sohn, nimm etwas von meinem.” Am Abend trafen schließlich sechs M4-Sherman-Panzer der 45. Infanteriedivision ein.
Um 20:30 Uhr befahl Gavin den Gegenangriff. Die Division Hermann Göring zog sich zurück.
Nach der offiziellen Armeegeschichte des Center of Military History veranlasste der Widerstand der Fallschirmjäger bei Biazza Ridge den deutschen Befehlshaber Conrath, seine Pläne zu ändern und Kräfte auch vom Brückenkopf der 1. Division abzuziehen. Die amerikanischen Verluste: etwa 50 Gefallene und über 100 Verwundete.
Biazza Ridge rettete die Invasion Siziliens. Gavin erhielt sein erstes Distinguished Service Cross. Er erlitt eine Splitterwunde am Bein durch einen Mörsergranat, tat sie aber als eines Purple Heart unwürdig ab.
Ich komme immer wieder auf diese Schlacht zurück, weil sie die Vorlage für alles Folgende schuf.
Ein junger Oberst ohne schwere Waffen, ohne Panzer und mit einer Sammlung von wem auch immer er greifen konnte, hielt kritisches Gelände gegen eine Panzerdivision allein durch puren Weigerung, aufzugeben. Das war die Identität der 82. Luftlandedivision.
Nicht nur Tapferkeit, sondern kalkulierte Sturheit, gestützt auf Improvisation.
Als der Brückenkopf von Salerno vier Tage nach der Invasion im September 1943 am Rand des Zusammenbruchs stand, rief General Mark Clark die 82. Seine Nachricht an Ridgway bestand aus drei Worten: „Das ist ein Muss.” Clark befahl persönlich jeder Flugabwehrbatterie, das Feuer einzustellen – eine direkte und bittere Lehre aus Sizilien.
In der Nacht des 13. September sprang Tuckers 504. in der Nähe von Paestum auf den Brückenkopf, geleitet von Ölfässern voll mit benzingetränktem Sand, die in 50-Yard-Abständen entzündet wurden.
In der nächsten Nacht folgte Gavins 505. Beide Absprünge waren präzise – eine vollständige Verwandlung gegenüber dem Chaos über Sizilien.
Innerhalb von 24 Stunden hatten zwei Fallschirmregimenter den wankenden Brückenkopf stabilisiert. Die 82. rückte vor und zog am 1.
Oktober 1943 in Neapel ein – die erste große europäische Stadt, die die Alliierten befreiten. Major Ed „Cannonball” Kraus vom 505. hisste die amerikanische Flagge über dem Postamt von Neapel.
Das 504. blieb in Italien für Anzio, wo es einen der berühmtesten Spitznamen der Militärgeschichte erwarb. Ein Tagebuch, gefunden bei einem gefallenen deutschen Offizier der 1.
Fallschirmdivision, las: „Amerikanische Fallschirmjäger, Teufel in weiten Hosen, sind weniger als 100 Meter von meiner Vorpostenlinie entfernt. Ich kann nachts nicht schlafen.”
„Sie tauchen aus dem Nichts auf, und wir wissen nie, wann oder wie sie das nächste Mal zuschlagen. Es scheint, als wären die schwarzherzigen Teufel überall.” Am 9.
Dezember 1943 wurde Gavin im Alter von 36 Jahren zum Brigadegeneral befördert. Sechs Monate später sprang er in der Nacht des 5. Juni 1944 in die Normandie.
Er war stellvertretender Divisionskommandeur der 82. unter Generalmajor Matthew Ridgway, 37 Jahre alt. Er startete von RAF Cottesmore mit dem 508.
Fallschirminfanterieregiment. Er war der erste Mann, der um etwa 2:15 Uhr am 6. Juni 1944 aus seiner Maschine sprang.
Der Normandie-Absprung war schlimmer als Sizilien. Nur das erfahrene 505. landete nahe seiner zugewiesenen Zone, mit etwa 75 Prozent der Sprunggruppen innerhalb einer Meile.
Das 507. hatte den schlechtesten Absprung eines jeden Regiments am D-Day. Nur drei Gruppen landeten nahe der Absprungzone.
180 Fallschirmjäger wurden mehr als 20 Kilometer entfernt nahe dem Dorf Graignes abgesetzt, wo sie einen aussichtslosen letzten Widerstand gegen eine ganze deutsche Division führen sollten. Die Hälfte des 508. war stundenlang nicht verfügbar.
Viele Männer ertranken in den überfluteten Sümpfen der Merderet.
60 Prozent aller schweren Ausrüstung – Mörser, Funkgeräte, Sprengladungen und Munitionsnachschub – ging bei verstreuten Absprüngen über die normannische Landschaft verloren. Nach 24 Stunden standen nur etwa 2. 000 der Fallschirmjäger der 82.
unter Divisionskontrolle, etwa ein Drittel der gesprungenen Streitmacht.
Gavin landete auf einer Weide nahe der Merderet, weit von seiner Absprungzone entfernt. Um vier Uhr morgens hatte er etwa 200 Mann gesammelt und führte sie südwärts entlang eines Bahndamms. Er fand weitere 300 bei La Fière.
Er teilte seine Kräfte und sandte eine Gruppe nach Süden, um die Brücke von Chef-du-Pont zu nehmen.
Den D-Day verbrachte er damit, zwischen den beiden Stellungen hin- und herzulaufen, eine Entfernung von mehreren Meilen, Truppen aus verschiedenen Regimentern organisierend, die nie zusammen trainiert hatten, und Angriffe unter Dauerfeuer leitend. Was bei der Brücke von La Fière folgte, war laut offizieller Geschichte „wahrscheinlich der blutigste Kampf kleiner Einheiten in der Erfahrung amerikanischer Waffen”.
Die Steinbrücke über die überflutete Merderet verband sich mit einem 500 Yard langen erhöhten Damm – der einzige feste Übergang weit und breit. Ohne ihn konnten amerikanische Kräfte von Utah Beach nicht nach Westen vorstoßen, um die Cotentin-Halbinsel abzuschneiden. Teile des 505.
nahmen am D-Day-Morgen das Ostufer ein.
Ein deutscher Gegenangriff traf um vier Uhr nachmittags ein: drei erbeutete französische Renault-Panzer mit 200 Infanteristen, die amerikanische Gefangene als menschliche Schutzschilde vorantrieben. Bazooka-Teams und eine 57-mm-Panzerabwehrkanone zerstörten alle drei Panzer auf kürzeste Distanz.
Drei Tage lang klammerten sich die Amerikaner ans Ostufer unter ständigem Artillerie- und Mörserfeuer. Der erste Zug der A-Kompanie des 505. war auf 15 Mann reduziert, die unter Sergeant William Owens weiterkämpften.
Die Verluste stiegen stündlich. Die Brücke wechselte die Hände, die Amerikaner hielten stand.
Am 9. Juni sagte Ridgway zu Gavin: „Sie haben das Kommando. Wir greifen um 09:30 Uhr an.”
Nach einem 15-minütigen Artilleriefeuer stürmte das 3. Bataillon des 325. Segelflug-Infanterieregiments über den 500 Yard langen Damm, in Einzelreihe auf einer erhöhten Straße, kaum breit genug für ein Fahrzeug.
Vollständig ausgesetzt dem Kreuzfeuer von Maschinengewehren, Mörsern und Artillerie aus drei Richtungen. Es gab keine Deckung. Männer fielen, und die Männer hinter ihnen stiegen über die Leichen und gingen weiter.
Private First Class Charles DeGlopper vom 325. führte eine selbstmörderische Deckungsaktion durch.
Er ging auf die Straße in voller Sicht jeder deutschen Waffe, stand aufrecht und besprühte die feindlichen Stellungen mit seinem Browning Automatic Rifle, bis er niedergestreckt wurde. Er erkaufte seinem Zug genug Zeit, das Westufer zu erreichen. Er erhielt die erste Medal of Honor der 82.
Luftlandedivision im Krieg.
Ein Soldat, der den Angriff auf La Fière miterlebte, erinnerte sich, der denkwürdigste Anblick jenes Tages sei gewesen, Ridgway, Gavin und Maloney genau dort stehen zu sehen, wo es am heißesten war. Jeder Soldat, der diesen Damm betrat, sah jeden General und jeden Regiments- und Bataillonskommandeur direkt dort. Das war Gavins Führung in einem einzigen Bild.
Die Gesamtverluste bei La Fière über vier Kampftage: etwa 60 Gefallene und 529 Verwundete, Gefangene oder Vermisste. Einige Kompanien verloren allein beim Angriff am 9. Juni mehr als die Hälfte ihrer Stärke.
Die 82. kämpfte 33 aufeinanderfolgende Tage in der Normandie – ohne Ablösung, ohne Ersatz, ohne Rotation.
Die Gesamtverluste in der Normandie: 5. 245 Gefallene, Verwundete oder Vermisste. Eine Verlustrate von 46 Prozent.
Allein am D-Day 1. 259 Verluste. Ridgways Nachbericht stellte es mit jener Schlichtheit fest, die keiner Ausschmückung bedarf: „33 Tage Kampf ohne Ablösung, ohne Ersatz, jede Mission erfüllt.
Kein gewonnener Boden wurde je aufgegeben.”
Das ist der Teil, den die meisten Geschichtsbücher überspringen. Während die 101. Luftlandedivision die Dokumentarfilm-Behandlung und den kulturellen Raum bekommt, war die 82.
ein volles Jahr vor den „Screaming Eagles” im Kampf. Sie machte vier Kampfsprünge gegenüber zwei der 101.

Sie verzeichnete 422 Kampftage über sieben Feldzüge. Sie erlitt höhere Gesamtverluste, aber sie hatte nie ihren „Band of Brothers”-Moment in der Populärkultur. Meiner Ansicht nach liegt das teilweise daran, dass Gavin selbst nach dem Krieg nicht an Selbstvermarktung interessiert war.
Er interessierte sich für Ideen.
Er schrieb Bücher über Raketenabwehr und Nuklearstrategie, während Maxwell Taylor Memoiren schrieb. Die Kameras fanden eine Geschichte, die Akten erzählen eine andere. Als Ridgway im August 1944 zum Kommando über das 18.
Luftlandekorps aufstieg, empfahl er Gavin als seinen Nachfolger.
Gavin übernahm das Kommando über die 82. Luftlandedivision im Alter von 37 Jahren. Am 20.
Oktober wurde er zum Generalmajor befördert, noch immer 37 – der jüngste Generalmajor, der eine amerikanische Division befehligte, seit George Armstrong Custer im Bürgerkrieg. Zum Vergleich: Die meisten amerikanischen Divisionskommandeure im Zweiten Weltkrieg waren Ende 40 bis Mitte 50.
Maxwell Taylor, Kommandeur der 101. Luftlandedivision, war 42. Raymond Barton von der 4.
Infanteriedivision war 54. Terry Allen von der 1. Infanteriedivision war 54.
Norman Cota, der legendäre stellvertretende Divisionskommandeur der 29. Infanteriedivision am Omaha Beach, war 51. Gavin war ein volles Jahrzehnt jünger als fast jeder Vergleichbare.
Seine erste Prüfung als Divisionskommandeur war Market Garden. Und es war die umstrittenste Aktion seiner Laufbahn. Die 82.
erhielt die komplexeste Mission der gesamten Operation: die Grave-Brücke über die Maas nehmen, die Kanalbrücken über den Maas-Waal-Kanal besetzen, die gewaltige Nijmegen-Brücke über die Waal einnehmen und die Groesbeek-Höhen halten.
Vier Hauptziele, verteilt über Meilen niederländischer Landschaft. Gavin machte seinen vierten Kampfsprung am 17. September 1944 und brach sich bei der Landung zwei Wirbel in der Wirbelsäule.
Er meldete oder behandelte die Verletzung fast zwei Monate lang nicht. Er kämpfte den gesamten Feldzug mit gebrochenem Rücken.
Die Grave-Brücke und eine Kanalbrücke wurden am D-Day intakt erobert. Die Groesbeek-Höhen wurden gesichert, aber die Nijmegen-Brücke wurde am ersten Tag nicht genommen. Und das ist die Entscheidung, die Gavin für immer verfolgen wird.
Hier ist die ehrliche Einschätzung.
Gavin priorisierte das Halten der Groesbeek-Höhen über den schnellen Vorstoß zur Nijmegen-Brücke. Seine Begründung war vertretbar. Der Geheimdienst meldete bis zu 1.
000 deutsche Panzer, möglicherweise im Reichswald bereitgestellt. Die Höhen beherrschten das gesamte Operationsgebiet, und ihr Verlust bedeutete den Verlust von allem.
Die Landezonen für die Verstärkungen des nächsten Tages mussten gesichert werden, sonst würde die Division keinen Nachschub, keine Segelflugartillerie und keine zusätzlichen Truppen erhalten. Generalleutnant Frederick Browning, Kommandeur des 1. Luftlandekorps, hatte Gavin Prioritäten gegeben, die die Höhen zuerst und die Waal-Brücke zuletzt nannten.
Die Bedrohung erwies sich als real. Am 18. September überrannten Deutsche die Absprungzone T und bedrohten die Absprungzone N.
Das 508. eroberte sie kaum zurück, bevor die zweite Welle eintraf. Wären diese Zonen verloren gegangen, wäre die 82.
ohne Verstärkung gestrandet. Doch auch die Kritiker haben recht.
Die Nijmegen-Brücke war am D-Day stundenlang praktisch unverteidigt. Ein schneller Handstreich selbst eines einzigen Bataillons hätte sie nehmen können. Als sich das 508.
am späten Nachmittag auf sie zubewegte, nach einer siebenstündigen Verzögerung durch Misskommunikation mit seinem Kommandeur Oberst Linquist, hatten SS-Verstärkungen aus Arnhem die Zugänge befestigt.
Die 36-stündige Verzögerung bei der Eroberung der Brücke verlangsamte fatal den Vormarsch des 30. Korps nach Arnhem, wo die britische 1. Luftlandedivision vernichtet wurde.
Oberstleutnant John Frost vom britischen 2. Fallschirmbataillon, der das Nordende der Arnhem-Brücke mit schwindenden Kräften hielt, schrieb später, der schlimmste Fehler des Plans sei die fehlende Priorisierung der Nijmegen-Brücke gewesen.
Gavin selbst drückte gegenüber Vertrauten Bedauern aus und sagte, er wünschte, er hätte Tuckers kampferprobtes 504. statt des 508. geschickt.
Meiner Ansicht nach traf Gavin eine vertretbare, aber unvollkommene Entscheidung unter konkurrierendem Druck und unvollständigen Informationen. Brownings Befehle gaben ihm Deckung.
Die Bedrohung der Absprungzonen bestätigte seine Sorge, aber die Verzögerung bei Nijmegen kostete unersetzliche Stunden. Market Garden war ein schlechter Plan, guten Divisionen gegeben, und Gavin machte das Beste aus einer zutiefst fehlerhaften Operation. Sein einer Fehler löscht nicht aus, was seine Männer als Nächstes taten.
Denn was als Nächstes kam, war eine der außergewöhnlichsten Mutleistungen des gesamten Krieges. Nach zwei Tagen gescheiterter Frontalangriffe auf die befestigten Brückenzugänge befahl Gavin eine Angriffsüberquerung des 400 Yard breiten Waal-Flusses bei hellem Tageslicht. Major Julian Cook, 27 Jahre alt, führte das 3.
Bataillon des 504.
In 26 zusammenklappbaren Leinwandbooten. Jedes Boot trug zehn Fallschirmjäger und drei Pioniere, die mit acht Kanu-Paddeln ruderten. Einige Männer benutzten Gewehrkolben, andere ihre Helme.
Um 14:55 Uhr wurde ein Nebelvorhang gelegt. Die erste Welle startete zwei Minuten später unter direktem Feuer von Maschinengewehren, 20-mm-Flak, Mörsern und Artillerie.
Cook hörte seine Leutnants im Rhythmus des Rosenkranzes rudern. Mehr als die Hälfte der 260 Soldaten der ersten Welle wurde beim Übergang getötet oder verwundet. Nur etwa die Hälfte der Boote erreichte das andere Ufer.
Viele sanken. Männer ertranken, beschwert durch Ausrüstung. Die Überlebenden kämpften sich an Land.
Sie stürmten deutsche Stellungen mit Bajonetten und Granaten und kämpften 4. 000 Yards nach Norden, um das andere Ende der Nijmegen-Brücke von hinten zu erobern. Kriegskorrespondent Bill Downs von CBS verglich die Aktion in Großartigkeit und Mut mit Guam, Tarawa und Omaha Beach.
48 Fallschirmjäger fielen allein beim Übergang.
Die Soldaten nannten es „Little Omaha”. Und dann hielten britische Panzer des 30. Korps, nachdem sie endlich die eroberte Brücke überquert hatten, für die Nacht an.
Sie stießen nicht nach Arnhem vor, elf Meilen entfernt. Der 504-Veteran Gene Metcalfe fasste die Wut Jahrzehnte später zusammen: „Die Briten sollten die Lücke schließen, aber sie hielten an.”
Die Verluste der 82. während Market Garden: 1. 432 Gefallene, Verwundete und Vermisste in neun Tagen.
Nach der Operation nannte der britische Generalleutnant Miles Dempsey, Kommandeur der Zweiten Armee, die 82. „die beste Division der Welt heute”. Die Zahlen erzählen den Rest der Geschichte.
Als die deutsche Ardennenoffensive am 16. Dezember 1944 losbrach, saß Gavin beim Abendessen in Sissonne, Frankreich. Die 82.
sollte sich eigentlich ausruhen. Da Ridgway wetterbedingt in England festsaß, befehligte Gavin vorübergehend das gesamte 18. Luftlandekorps.
Er traf die entscheidende Entscheidung, die die amerikanische Antwort formte.
Die 82. nach Werbomont an der Nordflanke des Bulge, der Hauptstoßrichtung der SS-Panzer. Die 101.
nach Bastogne. Die 82. erhielt argumentierbar den schwierigeren Auftrag.
Bastogne bekam die Presse. Aber die Nordflanke war es, wo die 6. SS-Panzerarmee durchzubrechen versuchte, einschließlich der gefürchteten Kampfgruppe Peiper.
Die Spitzenelemente der 82. erreichten Werbomont etwa 24 Stunden nach Alarmierung. Nach über 100 Meilen Fahrt per Lastwagen durch Regen und Nebel bezogen sie Stellung über eine 25 Meilen breite Front bei Temperaturen nahe null Grad Fahrenheit, mit Winterausrüstung, die sie nicht hatten.
Die Bedingungen waren brutal.
Schwere Schneestürme reduzierten die Sicht auf wenige Yards. Sprungstiefel, für Warmwetterabsprünge entworfen, ließen keinen Platz für zusätzliche Socken. Männer stopften Stroh in ihre Stiefel und wickelten die Füße in Jutesäcke.
Erfrierungen waren epidemisch. Es gab tagelang kein warmes Essen.
Die Division hatte gerade zwei Monate ununterbrochenen Kampf während Market Garden und dessen Nachwirkungen in Holland hinter sich. Viele dieser Männer waren seit 1943 nicht zu Hause gewesen. Sie hatten in Sizilien, Italien, der Normandie und Holland gekämpft.
Und nun waren sie in den Ardennen im Dezember in Sommeruniformen.
Zu den Schlüsselgefechten gehörten erbitterte Häuserkämpfe bei Cheneux gegen Peipers Männer, die Verteidigung von 8. 000 Yards der Salm-Flusslinie bei Trois Ponts und die Deckung des Rückzugs eingeschlossener amerikanischer Panzer aus dem Kessel von St. Vith.
Bei Trois Ponts hielt die 82. die Flusslinie tagelang gegen wiederholte Angriffe von Teilen der 1. SS-Panzerdivision – derselben Einheit, die Tage zuvor für das Malmedy-Massaker an amerikanischen Gefangenen verantwortlich war.
Die Fallschirmjäger wussten genau, gegen wen sie kämpften. Es wurde kein Pardon erbeten und wenig gewährt.
Während des Bulge kroch Gavin von Schützenloch zu Schützenloch, um Soldaten bei Temperaturen unter null zu kontrollieren. Er weigerte sich, aus einem geheizten Gebäude zu befehligen, während seine Männer in Löchern froren. Er schrieb an seine Tochter Barbara, er habe immer an die Familie jedes gefallenen Jungen geschrieben.
Bis dahin, so schrieb er, habe er „einen schrecklichen Haufen Briefe zu schreiben”. Dieser Satz, mitten im schlimmsten Winterkampf des Krieges geschrieben, sagt alles darüber, wer dieser Mann war. Er schrieb keine Memos.
Er positionierte sich nicht für Beförderungen. Er schrieb Kondolenzbriefe an Mütter und Väter, einen nach dem anderen, mit eigener Hand.
Am 3. Januar 1945 begann die 82. ihren Gegenangriff.
Sie überrannte Stellungen der 62. Volksgrenadierdivision und der 9. SS-Panzerdivision und nahm allein am ersten Tag 2.
400 Gefangene. Das der 82. unterstellte 551.
Fallschirminfanteriebataillon wurde praktisch vernichtet. Von 826 Männern, die in die Ardennen zogen, kamen nur 110 heraus.
Die Einheit wurde nie wieder aufgestellt. Dies ist ein wenig erforschter Teil von Gavins Führungsbilanz. Autor Gregory Orfalea hat argumentiert, Gavin habe das 551.
in beinahe selbstmörderische Angriffe geschickt und anschließend seine Vernichtung heruntergespielt. Meiner Meinung nach verdient diese Kritik mehr Aufmerksamkeit, als sie erhalten hat.
Die Verluste der 82. im Bulge: 1. 824 insgesamt – 281 Gefallene, 1.
290 Verwundete, 253 Vermisste. Das 504. erhielt seine zweite Presidential Unit Citation, die erste solche Auszeichnung, die eine amerikanische Einheit in der Ardennenschlacht gewann.
Die 82. brach dann durch den Westwall im Rheinland und stieß tief nach Deutschland vor.
Der Kampf im Rheinland war anders als alles, was die Division zuvor getan hatte. Dies war kein Luftlandekrieg. Dies war konventioneller Bodenkampf – durch befestigte Stellungen mahlend, Bunker räumend, Flüsse unter Feuer überquerend.
Und die 82. tat es so gut wie jede Infanteriedivision des Kriegsschauplatzes.
Was etwas Wichtiges darüber aussagt, was Gavin aufgebaut hatte. Die 82. war nicht nur eine Elite-Luftlandeeinheit.
Sie war eine Elite-Kampfeinheit, Punkt. Sie konnte alles tun, was die Armee verlangte, in jeder Konfiguration, unter allen Bedingungen. Die letzten Kriegswochen wurden zu einem Wettlauf.
Am 2. Mai 1945 legte die Division an einem einzigen Tag 36 Meilen zurück und stieß tief nach Mecklenburg vor. Die 21.
deutsche Armee unter Generalleutnant Kurt von Tippelskirch, über 150. 000 Mann, ergab sich der 82. Es war eine der größten Massenkapitalationen des europäischen Kriegsschauplatzes.
Von Tippelskirch traf am Gefechtsstand Gavins ein, sah einen schlanken jungen Offizier in verblassten Sprunganzug mit einem M1-Gewehr über der Schulter und sagte, er sei zu jung und sehe nicht wie ein General aus. Es dauerte nur einen Moment, seine Meinung zu ändern.
Am selben Tag befreite die Division das Konzentrationslager Wöbbelin bei Ludwigslust. Was die Fallschirmjäger dort fanden, übertraf alles, worauf der Kampf sie vorbereitet hatte. Etwa 1.
000 Insassen wurden tot aufgefunden, ihre Leichen in offenen Gruben gestapelt oder über das Lager verstreut.
Die Überlebenden waren skelettartig, wogen nur noch 60 oder 70 Pfund. Einige hatten zum Kannibalismus gegriffen. Der Divisionspfarrer George Wood bemerkte, diese Männer aus Holland, Russland, Polen, der Tschechoslowakei und Frankreich seien einfach dem Verhungern überlassen worden.
Es gab keine Gaskammern in Wöbbelin, keine Krematorien, nur Hunger.
Gavins Reaktion war unmittelbar und kompromisslos. Er befahl den Einwohnern von Ludwigslust, das Lager zu besuchen und zu sehen, was in ihrem Namen getan worden war. Er befahl ihnen, Gräber zu graben und die Toten mit eigenen Händen zu begraben.
Ein Begräbnis wurde auf dem Marktplatz für 200 Opfer abgehalten.
Gefangene deutsche Generäle mussten in der ersten Reihe stehen und zusehen. Gavin ließ die Leichen aus Massengräbern exhumieren und in Einzelgräbern in den öffentlichen Gärten der Stadt beisetzen, damit die Bürger von Ludwigslust jeden Tag an ihnen vorbeigehen mussten. Das war keine Vorschrift, das war Gavin.
Nach dem VE-Day wurde die 82. für den Besatzungsdienst in Berlin ausgewählt – die höchste Auszeichnung an Prestige. General George Patton, der die Ehrenwache der 82.
inspizierte, erklärte, in all seinen Jahren in der Armee und all den Ehrenwachen, die er je gesehen habe, sei die der 82. zweifellos die beste gewesen.
Das brachte der Division ihren bleibenden Spitznamen ein: „America’s Guard of Honor”. Lassen Sie mich das Gesamtbild in harten Zahlen darlegen, denn die Zahlen sind es, die Legende von Aktenlage trennen. 422 Kampftage – die vierthöchste Zahl unter 73 amerikanischen Divisionen im europäischen Kriegsschauplatz.
Sieben Feldzüge, vier Kampfsprünge.
Doppelt so viele wie jede andere amerikanische Luftlandedivision. 9. 073 Kampfverluste, darunter 1.
992 Gefallene. Etwa 200. 000 deutsche Gefangene.
Sieben große Flussüberquerungen unter Feuer. Vier Medals of Honor, 37 Distinguished Service Crosses, 898 Silver Stars, 1. 894 Bronze Stars, 15 Distinguished Unit Citations.
Und die entscheidende Statistik: Kein gewonnener Boden wurde je aufgegeben. Nicht bei Biazza Ridge, nicht bei La Fière, nicht bei Nijmegen, nicht an der Nordflanke des Bulge – kein einziges Mal in 422 Tagen. Vor Sizilien erklärte einer von Gavins Fallschirmjägern, sie würden ihm direkt in die Hölle folgen, wenn er es verlangte.
„Und unser Banner über Satans Gefechtsstand hissen – vor dem Zeitplan.” Das war kein Sarkasmus, so fühlten die Männer der 82. über den jüngsten Divisionskommandeur der amerikanischen Armee.
Den Mann, der als Erster aus der Tür ging, der ein Garand trug, der bei Market Garden mit gebrochenem Rücken sprang und es niemandem sagte.
Der bei La Fière im Freien stand, als jeder andere vernünftige Mensch in einem Loch war. Was diese Loyalität von normalem militärischem Gehorsam unterschied, war die Art, wie Gavin sie verdiente. Die meisten Divisionskommandeure im ETO führten von einem Gefechtsstand aus.
Sie studierten Karten und erteilten Befehle über Stabsoffiziere.
Das war keine Inkompetenz. Es war Doktrin. Die Aufgabe eines Generalmajors war es, Tausende Männer über Meilen von Front zu koordinieren.
Sich in einem Schützenloch töten zu lassen, half niemandem. Und für konventionelle Infanteriedivisionen funktionierte dieser Ansatz. Gavin lehnte ihn vollständig ab.
Seine Philosophie, klar in seinen eigenen Schriften dargelegt, war, dass ein Kommandeur dort sein muss, wo die Krise ist – nicht dahinter, nicht darüber lesend auf einer Lagekarte, sondern mittendrin, persönlich, mit einer Waffe in den Händen. Er glaubte, dass Soldaten härter kämpfen, wenn sie ihren General die Gefahr teilen sehen.
Und er glaubte, dass ein Kommandeur, der physisch am kritischen Punkt anwesend ist, bessere Entscheidungen trifft als einer, der Berichte aus drei Meilen Entfernung liest. Laut Phil Nordyke in „All American, All the Way” war das keine Rücksichtslosigkeit. Gavin war präzise darin, wohin und wann er ging.
Er bewegte sich zum Entscheidungspunkt, dorthin, wo die Schlacht gewonnen oder verloren würde, und blieb dort, bis die Lage geklärt war. Bei Biazza Ridge bedeutete das, auf einem Hügel ohne Panzerunterstützung gegen 17 Tiger-Panzer zu stehen. Bei La Fière bedeutete das, über offenes Gelände zwischen zwei Stellungen unter Dauerbeschuss zu laufen.
Bei Market Garden bedeutete das, mit gebrochenem Rücken zu springen und zwei Monate lang eine Division zu befehligen, ohne es zu erwähnen. Das Risiko war real. Gavin wurde mehrfach verwundet, weigerte sich jedoch konsequent, kleinere Verletzungen zu melden.
Er trug eine Granate nicht nur als Symbol, sondern weil er sie benutzte.
In Holland, so erinnerte sich ein Veteran, sprang Gavin in ein Schützenloch und schoss auf die Deutschen, mit der Erklärung, er müsse sein Schussauge in Form halten. An einem Punkt während des Bulge leitete er persönlich das Feuer aus einer Stellung, die so exponiert war, dass sein Adjutant ihn anflehte, sich zu bewegen. Er blieb.
Ich glaube, das ist der Kern dessen, warum die 82. wurde, was sie wurde. Gavin bildete nicht nur harte Männer aus, er schuf eine Kultur, in der Führung bedeutete, als Erster in die Gefahr zu gehen.
Offiziere trugen das schwere Gewehr. Offiziere sprangen zuerst. Offiziere aßen zuletzt.
Und der kommandierende General, der Mann mit zwei Sternen auf dem Helm, war genauso wahrscheinlich in einem Schützenloch zu finden wie in einem Gefechtsstand. Diese Kultur brachte eine Division hervor, die nie Boden aufgab, weil die Männer in den Schützenlöchern wussten, dass ihr General sie um nichts bat, was er nicht selbst tun würde.
Sie hatten ihn es bei Biazza Ridge und La Fière und Nijmegen und in den Ardennen tun sehen. Jedes einzelne Mal. Es gibt noch eine Sache, die es über diesen Mann zu wissen gilt.
Im Dezember 1947, acht Monate bevor Präsident Truman die Executive Order 9981 zur Aufhebung der Rassentrennung im Militär unterzeichnete, ordnete Gavin die Integration des rein schwarzen 555.
Fallschirminfanteriebataillons, bekannt als die „Triple Nickels”, in die 82. Luftlandedivision an. Oberst Bradley Biggs nannte Gavin „den farbenblindesten Armeeoffizier im gesamten Militär”.
Nach dem Krieg wurde Gavin der jüngste Generalleutnant seit dem Bürgerkrieg.
Er diente als stellvertretender Stabschef für Forschung und Entwicklung und war Pionier der Hubschrauber-Luftmobilitätstaktiken, die ein Jahrzehnt später den Vietnamkrieg prägen sollten. Er drängte die Armee nachdrücklich, in Raketentechnologie und taktische nukleare Trägersysteme zu investieren, zu einer Zeit, als die meisten Generäle noch in Kategorien des Zweiten Weltkriegs dachten.
Er war, wie immer, allen anderen im Raum voraus. Doch im Januar 1958, auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, mit einem vierten Stern und der Position des Stabschefs der Armee in Reichweite, trat er zurück. Die „New Look”-Politik der Eisenhower-Administration, die massiven nuklearen Vergeltungsschlag über konventionelle Kräfte stellte, war eine Doktrin, von der Gavin glaubte, sie führe zur Katastrophe.
Er schrieb, strategische Nuklearwaffen dienten keinem vernünftigen Zweck außer der Verursachung von Hunderten Millionen Toten. Er argumentierte, die Vereinigten Staaten bräuchten flexible konventionelle Kräfte, die begrenzte Kriege führen könnten, nicht einen einzigen Knopf, der die Zivilisation beende. Er hatte recht.
Das nächste Jahrzehnt bewies es.
Vietnam war genau die Art von Krieg, die der „New Look” unfähig war zu führen. Das Army Quartermaster Museum brachte seine Wahl auf den Punkt: Wenn er aus gutem Gewissen mit der Politik nicht einverstanden war, hatte er nur zwei ehrenhafte Möglichkeiten – zurücktreten oder unterstützen. General Gavin wählte ehrenhaft die erstere.
Ich glaube, der Rücktritt ist der letzte Beweis dafür, wer Gavin wirklich war. Er spielte keine Politik. Er beschnitt seine Ansichten nicht, um seine Karriere am Leben zu halten.
Er hatte sich vom Waisenhaus zum Kommando der am höchsten dekorierten Division der amerikanischen Armee gekämpft.
Und als das System verlangte, dass er eine Strategie befürwortete, die er für irrsinnig hielt, ging er mit 51 Jahren, während ihm noch alles bevorstand. Die meisten Männer in dieser Position hätten den Mund gehalten, den vierten Stern genommen und 20 Jahre später kritische Memoiren geschrieben. Gavin konnte das nicht.
Er war derselbe Mann, der sich geweigert hatte, einen Karabiner zu tragen, als seine Soldaten Garands trugen. Derselbe Mann, der zuerst sprang. Das Prinzip war auf jeder Ebene dasselbe: Wenn du es nicht selbst tun würdest, hattest du kein Recht, es von jemand anderem zu verlangen.
Präsident Kennedy ernannte ihn 1961 zum Botschafter in Frankreich. Ihm wird zugeschrieben, die Idee für das Peace Corps während des Wahlkampfs 1960 vorgeschlagen zu haben. Später wurde er einer der sichtbarsten ehemaligen Militärkritiker des Vietnamkriegs und sagte vor dem Senatsausschuss für Auswärtige Angelegenheiten aus.
Er starb am 23. Februar 1990 im Alter von 82 Jahren an Komplikationen der Parkinson-Krankheit. Er ist auf dem Friedhof von West Point begraben.
Sein Grabstein trägt ein Fallschirmmeister-Abzeichen mit vier Kampfsprung-Sternen. Laut T. Michael Booth und Duncan Spencer in „Paratrooper”, der maßgeblichen Biografie, geht es in Gavins Geschichte letztlich darum, was ein Einzelner aufbauen kann.
Wenn das System keine andere Wahl hat, als Kompetenz führen zu lassen. Die Armee hatte nicht geplant, einen 37-jährigen Waisen aus einer Kohlestadt an die Spitze ihrer elitetruppe zu setzen. Der Krieg forderte es.
Und 422 Tage lang, von Sizilien bis Berlin, bewies James Gavin, dass die Zurückhaltung des Systems das Einzige war, was je falsch gewesen war.
Er wurde ohne einen Namen geboren, den seine Eltern behalten wollten. Er verließ die Schule mit 14. Er brannte mit 17 durch.
Er bildete sich um 4:30 Uhr morgens in einem Badezimmer, weil es der einzige Raum mit genug Licht war. Er schrieb das erste Handbuch der Armee über Luftlandekriegsführung – und sprang dann viermal in den Kampf, um jede Seite davon zu beweisen.
