Die unermessliche Grausamkeit des NS-Kommandanten Amon Göth: Ein Blick auf den Mann, der über das Konzentrationslager Plaszow herrschte und dessen sadistische Herrschaft unzählige Leben kostete

Die unermessliche Grausamkeit des NS-Kommandanten Amon Göth: Ein Blick auf den Mann, der über das Konzentrationslager Plaszow herrschte und dessen sadistische Herrschaft unzählige Leben kostete

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Wien/Krakau — Er war der Mann, der sich selbst als Gott bezeichnete, während er über ein Reich des Todes herrschte. Amon Leopold Göth, Kommandant des Konzentrationslagers Plaszow bei Krakau, gilt als eine der grausamsten Figuren des Holocaust. Seine Verbrechen sind durch Hunderte Zeugenaussagen dokumentiert, seine Hinrichtung 1946 in Krakau markierte das Ende eines der sadistischsten NS-Täter.

Göth wurde am 11. Dezember 1908 in Wien geboren. Seine Familie war wohlhabend und gebildet, der Vater leitete einen renommierten Verlag.

Die Eltern, gläubige Katholiken, hofften auf einen Nachfolger im Familienunternehmen. Doch der junge Amon zeigte früh kein Interesse an Büchern oder Geschäften. Stattdessen zog es ihn zu extremen Ideen, Gewalt und Macht.

Bereits 1925 trat er der damals illegalen österreichischen NSDAP bei. Zwei Jahre später schloss er sich der Heimwehr an, einer rechtsextremen paramilitärischen Miliz mit stark antisemitischer Ausrichtung. Diese Phase markierte den Beginn seiner ideologischen Radikalisierung.

Schnell stieg er in den nationalsozialistischen Zellen des Wiener Bezirks Margareten auf.

Im September 1930 wurde Göth Mitglied der österreichischen SS. Damit begann der Aufstieg eines Mannes, der später zu einem der gefürchtetsten Verbrecher des Dritten Reiches werden sollte. Nach dem Verbot der NSDAP in Österreich im Juni 1933 floh er nach München, wo er als Kurier der SS Radios und Waffen nach Österreich schmuggelte.

Im Oktober 1933 wurde er erstmals verhaftet, jedoch mangels Beweisen bald wieder freigelassen. Nach dem gescheiterten Putsch von 1934, bei dem der österreichische Kanzler Engelbert Dollfuß ermordet wurde, floh Göth erneut, diesmal direkt zum SS-Ausbildungszentrum in Dachau. Dort erhielt er militärische Ausbildung und ideologische Schulung in den Grundsätzen des Nationalsozialismus, Antisemitismus und blinden Gehorsams.

Nach dem Anschluss Österreichs 1938 kehrte Göth nach Wien zurück. Im selben Jahr heiratete er Anna Geiger. Das Paar bekam drei Kinder: Peter, geboren 1939, der im Alter von sieben Monaten an Diphtherie starb, Werner, geboren 1940, und Ingeborg, geboren 1941.

In diesen Jahren wurde Göth den SS-Totenkopfverbänden zugeteilt, den Totenkopfeinheiten, die für die Kontrolle der Konzentrationslager verantwortlich waren.

Zwischen Mitte 1941 und Mai 1942 fungierte Göth als Einsatzführer und Finanzoffizier im Büro Kattowitz in Oberschlesien. Von dort aus war er verantwortlich für die Organisation und Durchführung von Maßnahmen zur Isolierung, Enteignung und massenhaften Deportation von Juden. Seine logistischen Fähigkeiten, gepaart mit seinem Fanatismus, verschafften ihm bei den oberen Rängen den Ruf eines effektiven Vollstreckers des Völkermords.

Am 14. Juli 1941 wurde er zum SS-Untersturmführer befördert. Im Sommer 1942 wurde er nach Lublin in Polen versetzt, wo er Teil des Stabs von Odilo Globocnik wurde, dem SS- und Polizeiführer in Krakau.

Globocnik war der Hauptverantwortliche für die Aktion Reinhard, den düsteren Plan zur Errichtung der Vernichtungslager Belzec, Sobibor und Treblinka.

Göth war sechs Monate lang an dieser Operation beteiligt. Auch wenn keine direkten Unterlagen über seine Tätigkeiten erhalten geblieben sind, zeigen die Aufzeichnungen seines Nachkriegsprozesses, dass er für das Sammeln, Organisieren und Transportieren von Tausenden von Opfern zu ihrem Tod in diesen Lagern verantwortlich war. Das war nur das Vorspiel zu dem, was noch kommen sollte.

Das Zwangsarbeitslager Plaszow wurde Ende 1942 auf einem Gelände errichtet, auf dem sich zuvor jüdische Friedhöfe befunden hatten. Dort wurden hauptsächlich Juden aus dem Ghetto von Krakau eingesperrt, ebenso wie Häftlinge aus anderen aufgelösten Ghettos, nichtjüdische Polen und Roma. Die Zahl der unter dramatischen Bedingungen inhaftierten Personen erreichte 35.

000.

Die Häftlinge nähten Uniformen, druckten offizielle Dokumente des nationalsozialistischen Regimes und arbeiteten in Werkstätten als Elektriker, Schlosser oder Mechaniker. Viele wurden auch gezwungen, schwere Arbeiten in den nahegelegenen Steinbrüchen zu verrichten. Der Lagerkommandant Amon Göth zeigte eine außergewöhnliche Grausamkeit.

Er ordnete nicht nur Massenhinrichtungen an, sondern folterte und ermordete auch persönlich mehrere Häftlinge. Es wird geschätzt, dass infolge dieser Hinrichtungen zwischen 5. 000 und 6.

000 Menschen in Massengräbern rund um das Lager beerdigt wurden. Die SS wollte jemanden, der die nationalsozialistische Ideologie in ihrer reinsten Form verkörperte: grausam, effizient, fanatisch loyal und bereit, ohne Zögern zu töten.

Eine seiner ersten Handlungen als Kommandant war die brutale Liquidierung des Krakauer Ghettos im März 1943. Es war keine militärische Operation, es war ein Gemetzel. Die Straßen waren voller Schüsse, herzzerreißender Schreie und Leichen.

Göth ging wie ein sadistischer Gott durch die Trümmer und deutete mit seinem Stock, wer leben und wer sterben sollte.

Die Entscheidungen wurden in Sekunden getroffen, ohne Berufungsmöglichkeit. Kinder wurden aus den Armen ihrer Mütter gerissen, alte Menschen erschossen, weil sie sich nicht schnell genug bewegten. Es war ein klares Zeichen dessen, was noch kommen sollte.

Einmal in Plaszow etabliert, verwandelte Göth das Lager in eine tägliche Hölle.

Im Gegensatz zu anderen Lagern, in denen es zumindest eine Hierarchie oder ein rudimentäres Protokoll gab, herrschte in Plaszow das Gesetz der Willkür. Für die Häftlinge gab es keine Sicherheit und keine Logik. Was einen an einem Tag rettete, konnte am nächsten den Tod bedeuten.

Ein falscher Schritt, ein falscher Blick oder einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, reichte aus, um auf der Stelle hingerichtet zu werden.

Göth tötete nicht nur, er erfreute sich daran. Oft stand er auf dem Balkon seiner Villa auf dem Hügel des Lagers mit Gewehr in der Hand und schoss auf Häftlinge, als wären sie Tiere auf einer Safari. Es war seine morgendliche Unterhaltung.

Seine Grausamkeit nahm fast rituelle Züge an.

Während der morgendlichen Appelle konnte er seinen Wachen befehlen, einen Häftling willkürlich zu erschießen, nur um seine Macht zu demonstrieren. In anderen Fällen, wenn er sah, dass eine Gruppe langsamer arbeitete, als er es erwartete, konnte er die Erschießung mehrerer von ihnen als Warnung anordnen. Er besaß auch zwei Hunde, Rolf und Ralf, Tiere, die nicht zur Bewachung, sondern zum Verstümmeln abgerichtet waren.

Auf einfachen Befehl oder ein Fingerschnippen griffen die Hunde Häftlinge an, rissen Fleisch heraus, hinterließen verstümmelte Körper, oft bis zum Tod. Die Angst vor den Hunden war so groß, dass die Häftlinge es vermieden, ihnen in die Augen zu sehen. Die Wachen unter seinem Kommando zögerten nicht, ihm nachzueifern.

Sadismus wurde zur Norm.

Jede noch so kleine Übertretung, ein schlecht geknöpfter Knopf, ein falscher Schritt, eine verspätete Antwort, konnte in einer öffentlichen Hinrichtung enden. Während Auschwitz zum bekanntesten Symbol des nationalsozialistischen Grauens geworden ist, erlebte das benachbarte Krakau eine nicht minder grausame Brutalität. Dort herrschte Amon Göth, ein Kommandant, dessen Grausamkeit keine Grenzen kannte.

Die Bedingungen im Konzentrationslager Plaszow unter dem Kommando von Amon Göth waren nicht einfach unmenschlich. Sie waren sorgfältig darauf ausgelegt, langsam und systematisch die Würde, den Körper und den Willen der dorthin geschickten Menschen zu zerstören. Das Leiden war kein Nebeneffekt.

Es war ein integraler Bestandteil des Systems.

Die meisten Baracken verfügten über kein fließendes Wasser. Die Überfüllung war so extrem, dass die Häftlinge Schulter an Schulter lebten, auf nacktem Erdboden oder auf Holzplanken schliefen, ohne Matratzen, ohne Kissen und nur mit einer zerschlissenen Decke, um sich vor der Kälte zu schützen. Während der harten polnischen Winter drang die Kälte bis in die Knochen.

Im Sommer machte die erdrückende Hitze das Lager zu einem stinkenden Ofen. Läuse, Ratten und Infektionskrankheiten wie Typhus breiteten sich schnell aus und machten Plaszow zu einem Ort, an dem der Tod durch Krankheit ebenso häufig war wie der Tod durch Hinrichtung. Sanitäre Einrichtungen gab es nicht.

Kein Seifenstück, kein warmes Wasser, keine saubere Kleidung.

Das Essen war knapp, absichtlich unzureichend, um die Häftlinge geschwächt zu halten. Es wurden minimale Rationen verteilt. Hartes Brot, dünne Suppe oder ein paar Kartoffelstücke, kaum genug zum Überleben.

Viele griffen dazu, Gras, Wurzeln, Insekten oder sogar Holzsplitter zu essen, nur um den grausamen Hunger zu lindern.

Wer beim Stehlen von Nahrung oder Verstecken von Resten ertappt wurde, wurde brutal geschlagen, gefoltert oder öffentlich hingerichtet, um ein Exempel zu statuieren. Die Kinder, insbesondere jene, die die Auflösung des Krakauer Ghettos überlebt hatten, standen vor einem noch grausameren Schicksal. Das nationalsozialistische Regime erkannte ihnen keinen Wert zu, wenn sie nicht arbeitsfähig waren.

Viele wurden ihren Eltern bei der Ankunft entrissen, ihre Schreie mit Gewalt zum Schweigen gebracht. Manche wurden geschlagen, weil sie weinten, andere, weil sie versuchten, die Hand ihrer Mutter zu halten oder sich an ihre Schwester zu klammern. In den schlimmsten Fällen wurden sie von SS-Ärzten, die das Lager besuchten, für medizinische Experimente missbraucht.

Für die nationalsozialistische Maschinerie waren sie keine Kinder, sie waren Abfall. Der Tag, an dem Göth die Deportation und Hinrichtung von über 500 Kindern aus dem Lager befahl, blieb als eine der infamsten Taten seiner Herrschaft in Erinnerung. Überlebendenberichte beschreiben diesen Tag mit Worten, die bis heute vor Grauen zittern.

Als der Krieg voranschritt und das Dritte Reich zu zerfallen begann, erkannten die nationalsozialistischen Führer, dass die begangenen Verbrechen nicht für immer verborgen bleiben konnten. So begann eine systematische Kampagne zur Vernichtung aller Beweise des Genozids. Plaszow wurde zu einem der Hauptschauplätze dieser düsteren Aufgabe.

Göth, mit seiner brutalen Effizienz, war einer der Verantwortlichen für deren Umsetzung. Unter seiner Aufsicht wurden spezielle Einheiten jüdischer Häftlinge organisiert, bekannt als Sonderkommandos, die gezwungen wurden, Massengräber zu öffnen, in denen Tausende von Leichen während der Massaker des Jahres 1943 hastig verscharrt worden waren.

Die Leichen, bereits stark verwest, wurden wie Brennholz gestapelt. Die Gefangenen hatten keine Handschuhe, keine Masken, keinen Schutz. Sie arbeiteten im unerträglichen Gestank des Todes, schleppten Leichen unter ständiger Bewachung.

Jeden Tag wurden die Körper mit Benzin übergossen und verbrannt. Der Befehl war eindeutig: Es durfte keine Spur bleiben, kein Beweis.

Die Existenz der Sonderkommandos war so kurz wie tragisch. Nach Tagen erschöpfender Arbeit, körperlich und seelisch gebrochen, ließ Göth ihre Hinrichtung befehlen. Kein Zeuge sollte überleben.

Eine neue Gruppe wurde dann ausgewählt und der Zyklus begann von vorn: Ausgraben, schleppen, verbrennen und sterben.

Das Beunruhigendste war, dass Göth diese Aufgabe nicht aus der Ferne delegierte. Zahlreiche überlebende Zeugen berichteten, dass er oft ohne Vorwarnung in den Verbrennungsbereichen auftauchte. Er ging zwischen den Leichenbergen umher wie ein Inspektor auf einer Baustelle.

Manchmal mit einer angezündeten Zigarre zwischen den Fingern machte er Bemerkungen über die Effizienz des Feuers oder die Geschwindigkeit, mit der die Körper verbrannten.

Seine Anwesenheit diente nicht der Kontrolle, sie diente dem Genuss. Für ihn war das Verbrennen der Toten Teil der Vorstellung. Göths Perversion kannte keine Grenzen.

Unter seinem Kommando verwandelte sich Plaszow von einem Arbeitslager in ein Labor des Terrors. Jeder Ziegel, jede Baracke und jeder ausgeführte Befehl spiegelte seinen persönlichen Sadismus wider.

Amon Göth lebte inmitten von Luxus, während unter seinem Befehl Tausende von Menschen an Hunger, Krankheit und Gewalt starben. Er war die Verkörperung des totalen Machtmissbrauchs, ein Schlächter in Uniform, der mit jedem Wort, jedem Blick Angst säte. Während Tausende von Häftlingen im Konzentrationslager Plaszow verhungerten, zitternd vor Kälte auf dem gefrorenen Boden schliefen und inmitten von Schmutz und ständiger Angst litten, lebte Amon Göth wie ein Aristokrat, nur wenige Schritte entfernt von dem Grauen, das er selbst geschaffen hatte.

Sein Leben im Lager war eine groteske Karikatur von Luxus, errichtet auf den Aschen der Opfer, die er mit eiserner Hand unterdrückte. Im Herzen des Lagers ließ sich Göth eine großzügige Villa bauen, völlig losgelöst vom spartanischen Stil, der selbst hochrangige NS-Funktionäre in Kriegszeiten prägte. Es war keine bloße Funktionsresidenz, es war ein privater Palast.

Feine Teppiche, handgeschnitzte Möbel, Porzellangeschirr, Samtvorhänge, Kristalleuchter, Originalkunstwerke an den Wänden. Jedes Objekt hatte denselben Ursprung: Raub. Die Besitztümer, die sein Haus füllten, waren aus den Wohnungen, Koffern und Leichen Tausender deportierter und ermordeter Juden geraubt worden.

Göth eignete sich alles an, was er begehrte.

Taschenuhren, Schmuck, Gemälde, Silberbesteck, Luxuskleidung. Nichts war vor seinem Zugriff sicher. Selbst die Goldzähne, die aus den Leichen entfernt wurden, ließ er einschmelzen und in persönliche Truhen legen.

Er trug teure Anzüge, Schweizer Uhren und trank Cognac von bester Qualität. Regelmäßig veranstaltete er private Bankette und Feiern mit anderen SS-Offizieren mitten im Lager, während die Schreie der Häftlinge und das Echo der Schüsse die akustische Kulisse bildeten.

Die Villa war praktisch eine Insel des Luxus in einem Meer des Todes und er wandelte darin wie ein absoluter König, arrogant, ungestraft und grausam. Doch er begnügte sich nicht mit Raub. Er entführte auch Menschen für seinen persönlichen Gebrauch.

Eine der erschütterndsten Geschichten ist die von Helen Jonas Rosenzweig, einer jüdischen Jugendlichen, die Göth persönlich auswählte, um seine Haushälterin zu sein.

Er zog sie ohne Vorwarnung aus der Reihe und sagte ihr, dass sie ab diesem Moment für ihn arbeiten werde. Helen hatte keine Wahl. Tag für Tag putzte sie das Haus, servierte das Essen und erfüllte die Wünsche des Kommandanten stets im Bann lähmender Angst.

Später berichtete Helen, dass sie nie wusste, was ihn in Rage bringen würde.

Er konnte sie schlagen, weil sie zu still war, weil sie sich zu langsam bewegte oder einfach nur, weil sie ihm im falschen Moment in die Augen sah. Sie beobachtete Hinrichtungen durch die Fenster des Hauses. Einmal sah sie, wie Göth einen Mann erschoss, nur weil dieser sich unerlaubt der Villa genähert hatte.

Gewalt war nichts, was er verbarg. Sie war Teil seiner Präsenz, Teil seiner Autorität, Teil seiner Identität.

Sein Privatleben war ebenso düster. Er unterhielt eine Beziehung mit Ruth Irene Kalder, einer jungen Deutschen, die dem Nationalsozialismus nahestand. Sie lernten sich kennen, als er noch das Lager leitete, und im Jahr 1944 zog sie zu ihm in die Villa von Plaszow.

Sie bekamen eine Tochter, Monika Göth, geboren im Schatten der Barbarei.

Kalder war direkte Zeugin von Göths Grausamkeit. Sie sah, wie er die Häftlinge behandelte, wie er sie ohne zu blinzeln ermordete, wie er seine Hunde darauf abrichtete, anzugreifen und zu zerfleischen, und dennoch wählte sie das Schweigen. Später gab sie zu, dass sie wusste, was geschah, aber damals zog sie es vor, es zu ignorieren, um weiterhin die Annehmlichkeiten zu genießen, die ihr die Verbrechen ihres Geliebten verschafften.

Doch Göths Korruption beschränkte sich nicht auf den Raub von Besitz oder Machtmissbrauch. Selbst innerhalb des nationalsozialistischen Systems, in dem Brutalität die Norm war, galt Göth zu korrupt, zu gierig, zu außer Kontrolle. Die SS hatte strenge Regeln für den Umgang mit beschlagnahmtem jüdischem Eigentum festgelegt.

Alles musste registriert und in die Kassen des nationalsozialistischen Staates überführt werden.

Doch Göth missachtete diese Vorschriften offen. Er behielt Goldbarren, wertvolle Gemälde, Schmuck und sogar ganze Möbelstücke. Anstatt das Beschlagnahmte nach Berlin zu senden, lagerte er es in persönlichen Verstecken oder nutzte es für den Handel mit Geschäftsleuten und Offizieren, die Gefälligkeiten oder Zwangsarbeiter suchten.

Er erlaubte privaten Unternehmern, Häftlinge als Zwangsarbeiter in ihren Fabriken einzusetzen, im Austausch gegen Bestechungsgelder.

Schließlich wurde Amon Göth im September 1944 verhaftet. Nicht wegen Mordes, nicht wegen Völkermords, sondern wegen Korruption, wegen unrechtmäßiger Aneignung von Eigentum des nationalsozialistischen Staates. Er wurde in ein Gestapo-Gefängnis überführt und unter Untersuchung gestellt.

Ironischerweise war es seine Gier, die den Anfang vom Ende seiner Karriere im Dritten Reich markierte, nicht seine erbarmungslose Brutalität.

Als im Sommer 1944 die sowjetischen Truppen näherten, begannen die Nationalsozialisten mit dem Versuch, die Spuren ihrer Verbrechen zu beseitigen. Im August desselben Jahres wurden die Leichen der Ermordeten exhumiert und verbrannt, Teil einer geheimen Operation zur Vernichtung der Beweise des Völkermords. Die noch lebenden Gefangenen wurden nach und nach in andere Lager innerhalb des Deutschen Reiches verlegt, darunter auch in das Konzentrationslager Mauthausen.

Der letzte Transport wurde im Januar 1945 organisiert, kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee in Krakau. Laut verschiedenen Quellen durchliefen zwischen 1943 und 1945, als das Lager offiziell den Status eines Konzentrationslagers erhielt, Zehntausende Menschen das Lager. Unter den Überlebenden befanden sich etwa 1.

100 Arbeiter aus Oskar Schindlers Fabrik, deren Geschichte in dem Roman Schindlers Liste verewigt und 1993 von Steven Spielberg verfilmt wurde.

Das Gelände des ehemaligen Lagers Plaszow diente sogar als Drehort für diesen mehrfach international ausgezeichneten Film. Heute existieren die ursprünglichen Gebäude des Lagers nicht mehr. Weder Baracken noch Wachtürme sind erhalten geblieben.

Auf einem Teil des früheren Lagergeländes wurde sogar ein modernes Wohnviertel errichtet.

Einige historische Elemente haben jedoch bis heute überlebt, darunter das Chalet von Amon Göth in der Heltmana-Straße und das sogenannte graue Haus in der Jerozolimska-Straße, das während des Krieges von besonders grausamen SS-Offizieren bewohnt wurde. Im Keller dieses Hauses, so berichten Überlebende, wurden systematisch Folterungen durchgeführt und es hieß, dass niemand lebend wieder herauskam.

Den Opfern des Konzentrationslagers wurde durch eine Reihe kleiner Obelisken gedacht. Außerdem wurde an der Straße Cementarna das Denkmal für die Opfer des Faschismus errichtet. Eine bewegende sieben Meter hohe Statue, die eine Gruppe von Menschen mit herausgerissenen Herzen darstellt.

Ein Symbol für Verlust, Schmerz und erlittene Entmenschlichung.

Die wahre Gerechtigkeit kam im Mai des Jahres 1945, nur wenige Tage nach der bedingungslosen Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands. Göth wurde von amerikanischen Truppen in Österreich gefasst, wo er versuchte, sich zu verstecken. Er hatte keine Zeit, eine Flucht zu organisieren oder eine neue Identität zu erschaffen.

Zu diesem Zeitpunkt war sein Name den Alliierten bereits bekannt.

Seine Figur war mehrfach in den ersten Vernehmungen von Überlebenden des Holocausts aufgetaucht. Insbesondere jener, die das Ghetto von Krakau oder das Lager von Plaszow durchlebt hatten. Alle erinnerten sich an seinen Namen und niemand vergaß sein Gesicht.

Göth lebte das Ende des Krieges in einem österreichischen Militärkrankenhaus und genau dort wurde er von der amerikanischen Militärpolizei festgenommen.

Zunächst wurde er nach München gebracht und dann in das Internierungslager Dachau überführt. Polen war eines der am stärksten vom Krieg verwüsteten Länder und zudem lag das Lager Plaszow auf polnischem Boden. Die polnischen Behörden beantragten sofort seine Auslieferung und diese wurde rasch genehmigt.

Göth wurde nach Krakau zurückgebracht, in jene Stadt, in der er einst Schrecken verbreitet hatte und in der er nun vor Gericht gestellt werden sollte.

Die Beweise gegen ihn waren erdrückend. Es gab nicht nur Hunderte von Augenzeugenberichten, sondern auch offizielle Dokumente mit seiner Unterschrift, Lageraufzeichnungen, nationalsozialistische Berichte, die ihn direkt mit Hinrichtungsbefehlen in Verbindung brachten, Deportationslisten und handschriftliche Notizen. Es gab Fotografien, Briefe und sogar Aussagen ehemaliger nationalsozialistischer Wachen, die seinen Sadismus bestätigten.

Sein Prozess begann am 27. August des Jahres 1946 vor einem Sondergericht in Krakau. Die Anklagen waren eindeutig: Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Massenmord und systematischer Raub.

Ihm wurde vorgeworfen, persönlich jüdische Häftlinge mit seiner Waffe ermordet, kollektive Erschießungen angeordnet und das Lager mit äußerster Grausamkeit geführt zu haben, wobei er aus Willkür oder bloßem Vergnügen tötete.

Ebenfalls wurde ihm zur Last gelegt, enorme Mengen an Gold, Kunstwerken, Schmuck und Geld von der jüdischen Zivilbevölkerung gestohlen zu haben. Wochenlang sagten Überlebende aus, einige sprachen unter Tränen, andere bewahrten angespannte Ruhe. Jeder schilderte Details des Terrors, den sie unter seinem Kommando erlebt hatten.

Grauenhafte Szenen wurden rekonstruiert, Hinrichtungen im Morgengrauen, öffentliche Bestrafungen, Kinder, die von ihren Müttern getrennt wurden, improvisierte Öfen zur Verbrennung von Leichen und Göths Spaziergänge durch das Lager, bei denen er vom Balkon aus zum Vergnügen schoss. Göth leugnete die Taten nicht vollständig. Er gab zu, dass unter seiner Aufsicht Menschen ums Leben kamen.

Doch wie so viele andere Kriegsverbrecher bediente er sich der Ausrede des gehorsamen Soldaten. Er sagte, er habe nur Befehle befolgt. Er habe auf Anweisung seiner Vorgesetzten gehandelt.

Er sei lediglich ein Rädchen in einer viel größeren Maschinerie gewesen. Doch im Jahr 1946 war diese Ausrede nicht mehr ausreichend. Das polnische Gericht war unerbittlich, die Beweise waren unwiderlegbar.

Das Urteil wurde am 5. September des Jahres 1946 verkündet. Amon Göth wurde in allen Anklagepunkten für schuldig befunden.

Mord, Völkermord, Raub und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Strafmaß: Tod durch Erhängen. Der Ort der Hinrichtung hatte eine starke symbolische Bedeutung.

Göth wurde in das Gefängnis Montelupich in Krakau gebracht, nur wenige Kilometer von dem Ort entfernt, an dem er einst Herr und Meister des Lagers Plaszow gewesen war.

Er wurde auf einem nahegelegenen Hügel gehängt, sichtbar von genau jenem Ort aus, an dem er so viele Verbrechen begangen hatte. Viele Überlebende des Lagers waren anwesend. Einige wollten sehen, wie die Geschichte einen Kreis schloss.

Es ging nicht um Rache, es ging um Gerechtigkeit. Gerechtigkeit für die Tausenden von Männern, Frauen und Kindern, die unter seinem Regime gestorben waren.

Amon Göth war nur 37 Jahre alt, als er starb, doch sein Vermächtnis war das eines Monsters. Während seiner Zeit an der Spitze von Plaszow wird geschätzt, dass mehr als 8. 000 Menschen ermordet wurden.

Einige starben durch Massenerschießungen, andere an Hunger, Krankheit, Kälte oder Erschöpfung. Einige wurden Opfer seiner Hunde, andere wurden in Massengräber geworfen.

Jedes dieser verlorenen Leben hinterließ eine abgebrochene Geschichte, eine nicht zu heilende Lücke, ein weitergegebenes Trauma. Mit seiner Hinrichtung machte die Welt einen Schritt, klein, aber entschlossen, hin zur Anerkennung des Holocausts als das abscheulichste Verbrechen des 20. Jahrhunderts.

Doch keine Strafe konnte dem Schmerz gerecht werden, den sein Name hinterlassen hatte.

Amon Göth war nicht einfach nur ein Mörder. Er war das Gesicht eines genozidalen Systems, das die Ideologie des Hasses zur Staatsdoktrin erhob. Und seine Geschichte erinnert uns bis zum Schluss daran, was geschieht, wenn die Menschlichkeit jede Spur von Mitgefühl verliert.

Man schätzt, dass etwa 30. 000 Menschen das Konzentrationslager Krakau-Plaszow während seines Bestehens durchliefen. Die meisten verließen es nie lebend.

Sie starben durch summarische Hinrichtungen, Krankheiten, Hunger, Kälte oder Erschöpfung. Viele ihrer Tode wurden nicht einmal registriert. Sie verschwanden einfach unter dem Gewicht des täglichen Terrors.

Und obwohl Amon Göth im Jahr 1946 hingerichtet wurde, dauerte es Jahre, bis das volle Ausmaß seiner Verbrechen vollständig ans Licht kam.

In den folgenden Jahrzehnten begannen Überlebende des Lagers ihre Geschichten zu erzählen. Einige schrieben Bücher, andere gaben Interviews oder sagten vor Gericht aus. Jedes einzelne Zeugnis fügte dem Portrait eines wahnsinnigen Regimes und eines besonders sadistischen Kommandanten ein weiteres Puzzlestück hinzu.

Viele berichteten davon, wie sie jeden Tag in einem Zustand permanenter Angst lebten.

Eine Angst, die in Göth Gestalt annahm, einem Mann, der mit einer bloßen Fingerbewegung über Leben und Tod entscheiden konnte. Einige der erschütterndsten Aussagen stammten von Menschen, die in seinem Haus arbeiteten. Dort in seiner im Lager errichteten Residenz zeigte sich Göths Sadismus ungefiltert.

Er spazierte bewaffnet umher, dressierte seine Hunde darauf, Gefangene anzugreifen, schlug seine Bediensteten und pflegte eine tägliche Routine der Gewalt, die einem Horrormärchen entsprungen schien.

Unter denen, die ihn aus nächster Nähe erlebten, sticht eine junge Jüdin namens Helen Jonas hervor, die gezwungen wurde, als Dienstmädchen in seinem Haus zu arbeiten. Helen lebte tagtäglich mit der Angst, den kleinsten Fehler zu begehen. Sie wusste nie, ob sie die nächste Minute noch am Leben sein würde.

Ein falscher Blick, ein unbedachtes Wort oder einfach nur ihre Anwesenheit konnten den Zorn des Kommandanten auslösen.

Später erklärte Helen: “Ich dachte, ich würde keinen Tag mehr überleben, aber ich habe überlebt und ich musste erzählen, was ich gesehen habe.” Ihre Aussage war entscheidend, um das System der systematischen Grausamkeit zu rekonstruieren, das Göth umgab. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung hatte Amon Göth bereits eine Tochter gezeugt.

Monika Göth wurde kurz vor seiner Hinrichtung im Jahr 1946 geboren.

Ihre Mutter Ruth Irene Kalder war während Göths Zeit in Plaszow seine Geliebte und verteidigte ihn auch nach dem Krieg öffentlich. Monika wurde die Wahrheit über ihren Vater jahrelang verschwiegen. Sie wuchs in dem Glauben auf, er sei ein ehrenhafter Soldat gewesen.

Erst im jungen Erwachsenenalter entdeckte sie die entsetzliche Wahrheit.

Als sie schließlich die Akten las, die Zeugenaussagen hörte und die Bilder sah, verfiel Monika in einen Zustand tiefen emotionalen Schocks. Sie konnte nicht glauben, dass der Mann, der ihr das Leben geschenkt hatte, derselbe war, der Tausende ermordet hatte. Auf der Suche nach einem Verständnis für die Vergangenheit erklärte sie sich bereit, an dem Dokumentarfilm “Erbschaft” teilzunehmen, der 2006 von James Moll gedreht wurde.

Dort geschah etwas Außergewöhnliches. Monika Göth begegnete Helen Jonas, der Frau, die von ihrem Vater versklavt worden war, von Angesicht zu Angesicht. Es war ein Moment voller Schmerz, aber auch voller Wahrheit und Katharsis.

Zwei Leben, die durch den Schrecken der Vergangenheit verbunden waren, trafen sich nicht, um Schuld zuzuweisen, sondern um eine Erinnerung zu rekonstruieren, die jahrelang zum Schweigen gebracht worden war.

Der Name Amon Göth hätte wie viele anderer NS-Offiziere in Vergessenheit geraten können. Doch 1993 wurde die Welt durch einen Film erneut mit seiner Gestalt konfrontiert: Schindlers Liste. Inszeniert von Steven Spielberg.

Der Film, basierend auf der wahren Geschichte von Oskar Schindler, einem deutschen Unternehmer, der über 1. 200 Juden rettete, indem er sie in seiner Fabrik beschäftigte, brachte auch die düstere Figur Göths ans Licht.

In dem Film wurde der NS-Kommandant von Ralph Fiennes verkörpert. Seine Darstellung war so intensiv und verstörend, dass viele Zuschauer angaben, allein beim Anblick auf der Leinwand Angst empfunden zu haben. Die Darstellung war keineswegs oberflächlich.

Fiennes recherchierte tief in Göths Persönlichkeit und war laut eigenen Aussagen zutiefst verstört über das, was er entdeckte.

Je mehr er las, desto mehr begriff er, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Mann mit Fehlern handelte, sondern um jemanden, der das Böse mit Überzeugung angenommen hatte. Spielberg versuchte nicht, die ganze Brutalität des Lagers Plaszow zu zeigen. Das wäre für das Publikum unerträglich gewesen.

Doch selbst das Wenige, das dargestellt wurde, genügte, um den Schrecken spürbar zu machen.

Die Kaltschnäuzigkeit, mit der Göth von seinem Balkon auf Gefangene schoss, seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden anderer, sein alltäglicher Sadismus, all das brannte sich in das kollektive Bewusstsein ein. Es wird berichtet, dass Mila Pfefferberg, eine jüdische Überlebende des Lagers Plaszow, unkontrolliert zu zittern begann, als sie Fiennes in SS-Uniform am Filmset sah, da sie sich lebhaft an den echten Amon Göth erinnert fühlte.

Heute existiert das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Krakau-Plaszow noch immer. Auch wenn viele seiner Gebäude von den Nazis selbst zerstört wurden, um die Spuren des Verbrechens zu beseitigen, bleibt das Gelände als Gedenkstätte bestehen. Man kann noch immer die Überreste der Massengräber, die Fundamente des Krematoriums und Fragmente der Umfassungsmauer sehen, stumme Zeugen dessen, was dort geschah.

Jedes Jahr besuchen Menschen aus aller Welt diesen Ort. Sie gehen schweigend über grasbewachsene Hügel, lesen Namen, zünden Kerzen an, legen Steine auf die Grabstätten. Sie kommen, um zu gedenken, um die Zehntausenden nicht zu vergessen, die dort starben und auch um zu begreifen, wozu die Menschheit fähig ist, wenn Hass zur Politik wird und Gleichgültigkeit zur Norm.

Die Geschichte von Amon Göth ist die Geschichte vom tiefsten Fall der Menschlichkeit. Doch ihr steht eine andere Geschichte gegenüber: die von Josef Lewkowicz, einem jüdischen Jugendlichen, der unter Göths Schatten lebte und überlebte. Er rettete 600 jüdische Waisenkinder, baute sich auf drei Kontinenten ein neues Leben auf und erhob seine Stimme, damit die Welt niemals vergisst.

Denn jede Kugel, die von der Terrasse in Plaszow abgefeuert wurde, war ein Todesurteil. Aber jedes Kind, das Josef rettete, war ein Lebensurteil. So endet diese Geschichte.

Nicht mit dem Henker, sondern mit dem Überlebenden. Nicht mit dem Tod, sondern mit dem Gedenken. Die Geschichte von Amon Göth darf nicht vergessen werden.

Nicht, weil er es verdient hätte, erinnert zu werden, sondern weil das, was er tat, sich niemals wiederholen darf.